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In jedem Sinne verwöhnt werden Saturday 14th of August 2004 Wie aus einer anderen Welt dringt gedämpft das Rauschen des fernen Stadtverkehrs herauf. Doch es ertrinkt fast völlig im sanften Strom leichter Musik, bevor es das Ohr erreicht. Fern ist die Stadt auch dem Auge, das seinen Blick über das grüne Tal schweifen lässt, bis zum roten Ball der untergehenden Sonne am Horizont. Die Nase schwelgt im fruchtigen Bukett, das sich im Rotweinglas entfaltet, während der würzige Duft gebratener und gekochter Speisen in der Luft das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt... Das Restaurant Am Weinberg, am Hang oberhalb des Jan Jonker Wegs in Klein Windhoek gelegen, möchte seinen Gästen einen Kurzurlaub vom Alltag bieten. Körper, Geist und Seele verwöhnen - das ist das Konzept: Auge, Ohr und Nase werden gestreichelt, Gaumen und Magen massiert. Egal, ob morgens, mittags oder abends. Das Grundrezept der Küche: Gesunde Gerichte, die dem Körper gut tun. Zum Frühstück kann der Gast zwischen Vollkorn-Farmbrot, Farmjoghurt und -quark, Müsli, hausgemachter Leberwurst und vielen weiteren möglichst frischen und natürlichen Nahrungsmitteln wählen. Auch die Gerichte der Mittagsmenüs und auf der Abendkarte zeichnen sich durch frische Zutaten aus. Natürlich viel Gemüse, dessen Palette von der Saison bestimmt wird. Aber auch Fleisch wird in vielen Variationen serviert. Wenig Fett ist die Devise; bei Braten und Backen kommt nur kaltgepresstes Olivenöl zum Zuge. Wichtig ist auch die schonende Zubereitung. Das Gemüse wird einzeln abgeschmeckt. Hinter dem kulinarischen Wohlsein-Konzept steckt Jochen Berends, mit Leib und Seele Koch und international erfahren. Stationen seiner Laufbahn: Geboren in Norddeutschland, ausgebildet in Wien, gearbeitet auf Gran Canaria und Lanzarote. 20 Jahre lang hat er seine eigene Gaststätte geführt. Auf der Speisekarte des Restaurants Am Weinberg stehen eigens kreierte Gerichte, die von der leichten mediterranen Küche Frankreichs, Italiens und Griechenlands inspiriert sind. Der Geist des Restaurants wird auch von Heidi Mueseler geprägt, die sich mit der Organisation festlicher Anlässe (Tischdekor, Raumgestaltung, Menükarten) einen Namen gemacht hat. Wenn im Restaurant eine Festivität stattfinden soll, kümmert sie sich um alles und geht auch auf spezielle Wünsche ein. Besonderer Clou der Innenausstattung: Namhafte Künstler stellen hier ihre Arbeiten aus. Gäste, die eines der Kunstwerke ins Herz schließen, können es sogar erwerben. Das Restaurant als Kunstgalerie: Zur Gaumenfreude gesellt sich der Augenschmaus. Eigentümer sind Günter und Margot Garbade, die 45 km westlich von Windhoek eine Gästefarm betreiben. Mit dem Restaurant Am Weinberg verbindet sie jedoch nicht nur eine geschäftliche, sondern eine sehr private Bande. Margot Garbade ist in dem Haus aufgewachsen. Ihre Eltern, Kurt und Gerda Stoermer, haben es 1950 erworben und auf dem Grundstück am Hang einen Mini-Bauernhof gegründet: Sie zogen Blumen und Gemüse, sie hielten Gänse, Hühner und Chinchillas (Wollmäuse). Die warme, nicht schwefelhaltige Quelle (58 Grad) speiste die Bewässerungsrinnen für die Pflanzen und lieferte zudem reines, natürliches Trinkwasser. Der gelernte Imker Kurt Stoermer hielt Bienenstöcke und erntete wild-aromatischen Honig; seine Frau Gerda verkaufte Blumen, Gemüse, Honig und andere Frischprodukte in einem Laden an der Kaiserstraße (heute: Independence Avenue), der gegenwärtig die Lederwarenhandlung Nakara beherbergt. Auch Tochter Margot zog im Garten ihrer Eltern später Blumen für ihr eigenes Geschäft. Viele Windhoeker dürften sich noch an die kreativen Sträuße und Gestecke erinnern, die man in den Achtziger Jahren bei ‚Blumen Margot‘ erhielt, ebenfalls in der damaligen Kaiserstraße gelegen. Das Gebäude blickt allerdings auf eine viel längere Geschichte zurück. Errichtet worden ist es nämlich bereits im Jahre 1901, als Klein Windhoek noch größtenteils von ungezähmter Buschsavanne geprägt war. Nur wenige Sandwege zogen sich durch das Tal, hier und dort stand ein Haus. Der Hang allerdings, an dem das Haus gebaut wurde, war von vielen Weinreben bestanden. Auch sie wurden mit herunter gekühltem Wasser aus heißen Quellen bewässert, die es an mehreren Stellen des Hanges gab. Die Gründerzeiten leben innerhalb der Wände des Restaurants wieder auf. Denn Fenster und Fensterrahmen stammen noch aus jenen Tagen, wie man an den Riegeln erkennt. Um die historische Atmosphäre zu erhalten, ging man beim Renovieren sehr behutsam zu Werke. Die Decken und einige Wände wurden herausgenommen, das Mauerwerk wurde freigelegt, der Holzboden restauriert, die im Kolonialstil gehaltene Stoep (überdachte Veranda) wieder hergestellt. Im Jahr 2000 hat der namibische Denkmalrat das Haus übrigens offiziell unter Denkmalschutz gestellt. Doch nun hat für das alte Haus die Zukunft begonnen. Auf mehrfache Weise knüpft sie an der Vergangenheit an. So stehen wieder frische, natürliche und zum Teil hausgemachte Lebensmittel im Mittelpunkt. Das Quellwasser, das nach amtlicher Analyse von hervorragender Qualität ist, dient erneut als Trinkwasser und damit als Grundlage der gesunden Küche. Und schließlich werden zu den Speisen erlesene Weine gereicht, die die Erinnerung an das damals benachbarte Weingut wach halten. Die Brücke zwischen dem Gestern und Morgen findet sich auch im Firmenwappen wieder. Die Formen von Weinblatt und Traube verweisen auf die Vergangenheit; die Farben dagegen stehen für das moderne Konzept des Wohlbefindens für Körper, Geist und Seele. Denn das Goldgelb symbolisiert Licht, Sonne und Blumenblüten; das Blauviolett signalisiert neben Wohlstand und Herrschaft auch geistige Führerschaft; und Grün versinnbildlicht Natur, Wachstum und Leben sowie Hoffnung und Weisheit. Aber der Gast des Restaurants Am Weinberg muss kein Philosoph sein, um das Besondere an Räumlichkeiten und Küche zu spüren. Es reicht, sich zurückzulehnen und zu entspannen. Schauen. Hören. Riechen. Schmecken. Und sich in jedem Sinne verwöhnen lassen. |
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