Presseschau (wieder einmal) verboten

Saturday 14th of August 2004
Hans Feddersen

Wir haben uns ja schon vieles gefallen lassen. Die Regierung läßt sich offenbar auch viel gefallen. Zum Beispiel eine freie Presse. Die kann machen, was sie will, solange der elfenbeinerne Turm unserer Politiker-Elite nicht angekratzt wird.

Vor Wahlen reagiert die regierende Partei besonders empfindlich. Sie kann eben noch nicht abwiegen, wie sich Demokratie in Namibia auswirkt. Es könnte ja in dieser Zeit des Wechsels, des neuen Kandidaten, geschehen, daß eine andere Partei immer stärker - und dann sogar zu stark - wird. Während Pohamba seine Schäfchen im Kraal der Loyalität zusammenpfercht, tönt die CoD-Opposition, sie werde es diesmal auf 30 Prozent bringen. Grund genug für die regierenden, sämtliche Hebel (sprich: Infrastruktur der Regierung) für ihre Zwecke einzusetzen.

Zum Beispiel das Regierungsblatt New Era, das seit einigen Wochen Tageszeitung ist. Interessant, der Zeitpunkt fällt genau vor die Wahlen. Und man will das Image eines Mugabe verbessern. Unsere Steuerzahler haben seit der Unabhängigkeit etwa N$ 80 Millionen für New Era ausgegeben. Nun kommt das neue Bürogebäude... Da kann man nur neidisch werden. - Doch zurück zum Thema!

Ein informierter Wähler kann weise Entscheidungen treffen. In Namibia haben viele Wähler keinen Zugang zu Fernsehen und Zeitung, können sich diese „Informationen" nicht leisten. Angesichts der Armut im Lande ist der Rundfunk (möglichst in Muttersprache) oft einzige Informationsquelle. Rundfunk - das ist ein öffentlicher Dienst.

Aber auch Zeitungen sind ein öffentlicher Dienst. Im demokratischen Regierungssystem spielen sie eine wichtige Rolle. Sie übernehmen manchmal die schwere Aufgabe, Staatsbürger zu informieren. Dabei werden sie zur Stimme der Regierten, - zur Stimme des Volkes.

Umgekehrt die Regierung: Sie neigt dazu, ihre Irrtümer zu verschweigen, ihre Skandale zu vertuschen, ihre Unzulänglichkeiten hinter einer Maske zu verbergen. Der „arme", uninformierte Wähler könnte sich leicht falsch entscheiden (aus Unwissenheit).

Eine Gesellschaft von freien Menschen entsteht auf der Basis der freien Wahl und der freien Information. Ohne eine fruchtbare, enthüllende, unabhängige und nicht korrupte Presse wären wir bestimmt viel schlechter regiert, als es der Fall ist, wo Tyrannen ihren Untertanen die freie Wahl (und eine freie Presse) verweigern. Die freie Presse ist für die Infrastruktur eines freien Landes ebenso wichtig wie Schulen, Krankenhäuser und Straßen..

Also: Ermöglichen wir den Wählern doch eine Auswahl an Informationen, die er für seine Entscheidung an der Wahlurne braucht. Wie schön ist es, wenn der ländliche Wähler sich dabei auch auf den Rundfunk verlassen kann. Ein Mehr an Information kann doch nicht schaden...

Nur manchmal... da dürfen die Schlagzeilen aus der Presse wohl nicht mehr vorgelesen werden.

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