Neue Blüte für Aus - Museumsdorf

Friday 27th of August 2004
Sven-Eric Kanzler

Aus im Süden Namibias wirkt wie ein sterbendes Dorf. Viele Häuser verfallen, viele Männer arbeiten in weit entfernten Orten, immer mehr Menschen ziehen fort. Dabei ist der Ort äußerst reizvoll. Am Rande der Namib Wüste gelegen, mit ihrer großartigen Flora und Fauna und den berühmten Wilden Pferden, ist Aus geprägt von einer aufregenden Geschichte, die mit der Bahnstation, dem Bahnhofshotel, dem nahegelegenen Schanzwerk, Gefangenenlager und Soldatenfriedhof beeindruckende Spuren hinterlassen hat.

Um dem Verfall entgegenzuwirken und Arbeitsplätze zu schaffen, möchte die Gemeinschaft von Aus den Ortskern in ein Museumsdorf umwandeln. Das hat der Rat des Aus Community Conservation Trust auf einem Arbeitstreffen am 7. und 8. August in der Stadthalle von Aus entschieden. Geplant ist eine Ausstellung über die Geschichte der Pferde im Südlichen Afrika, in der auch über die Herkunft der Wilden Pferde der Namib informiert wird; Besucher können die Tiere anschließend bei der Wasserstelle Garub etwa 20 km westlich von Aus in Natura beobachten. Ein kleiner botanischer Garten soll dem Besucher Pflanzen der Dünen Namib, der Sukkulenten Karoo und der Nama Karoo näherbringen - dreier Biome also, die im Raum Aus aneinandergrenzen. Weitere Räume und Gebäude will man Persönlichkeiten des Südens widmen, der Kultur und Geschichte der Nama- und San-Völker, dem Bergbau, der Karakulschafzucht, der Eisenbahn und dem Ersten Weltkrieg.

Welche Bedeutung das Vorhaben hat, machte Parlamentsabgeordneter Fluksman Samuehl in seiner Eröffnungsrede deutlich. Zusammen mit der im Bau befindlichen Teerstraße von Rosh Pinah nach Aus und den neuen Eisenbahngleisen von Aus nach Lüderitz würde das Projekt zum wirtschaftlichen Aufschwung von Aus und der Region beitragen, sagte Samuehl. Die Geschäftsführerin des Tourismusdachverbandes Federation of Namibia Tourism Association (Fenata), Jackie Asheeke, beglückwünschte die Menschen von Aus zu der Idee, mahnte aber zugleich, es gehöre harte Arbeit zu ihrer Verwirklichung. Erschienen waren etwa 50 Bewohner von Aus und dem Vorort Khaubeb. An dem Treffen nahmen zudem Vertreter des Rates der Karas Region teil sowie Delegierte der Namibia Nature Foundation (NNF), des Succulent Karoo Ecosystem Programme (SKEP) und des von der Europäischen Union finanzierten Namibia Tourism Development Programme (NTDP) im Ministerium für Umwelt und Tourismus.

Zu Beginn des Arbeitstreffens stand lediglich ein Infozentrum zur Debatte - vorzugsweise außerhalb von Aus am Rande der Teerstraße. Unter Leitung von Maxi Louis, der Geschäftsführenden Direktorin der Namibia Community-Based Tourism Association (Nacobta) wurde darüber beraten, welche Voraussetzungen für den Erfolg nötig sind und welche Folgen das Projekt für die Gemeinschaft haben kann. Die Firma Nature Investments, Betreiber der Unterkünfte und Aktivitäten der Cañon Collection am Fischfluss Canyon, präsentierte eine Durchführbarkeitsstudie mit Zahlen und Fakten zum Tourismus im Süden Namibias, zu den Attraktionen von Aus, zu den möglichen Inhalten des Infozentrums und zu vier in die engere Wahl gefassten Standorten. Im Rahmen der Veranstaltung wurden Anregungen gesammelt sowie Standorte besichtigt und bewertet. Am Ende war die Idee eines Infozentrums zum Plan eines ganzen Museumsdorfes gewachsen.

Wesentlicher Faktor bei der Entscheidung des Stiftungsrates war die Befürchtung, dass ein neu errichtetes Zentrum am Rande der Teerstraße dem Ort den Todesstoß versetzen würde. Von einem Museumsdorf jedoch, so die Absicht, könnten auch andere Unternehmen profitieren: Die bestehende Tankstelle, ein angedachter Souvenirladen, eine zu gründende Bäckerei, ein kleines Lokal, ein mögliches Bed & Breakfast. Kleine Unternehmen also, die den Ort für Touristen wiederum attraktiver machen und die vor allem dringend benötigte Arbeitsplätze schaffen. Der Abgeordnete Samuehl kündigte zudem an, dass die Teerstraße Rosh Pinah - Aus durch den Ortskern geführt und bei der Polizeistation an die Teerstraße Keetmanshoop - Lüderitz angeschlossen werde.

Die Umwandlung von Aus in ein Museumsdorf ist natürlich ein Mammutprojekt, das die Möglichkeiten der Gemeinschaft bei weitem überfordert. Mittels Unterstützung durch Nacobta und Nature Investments stehen Gelder des Namibia Tourism Development Programme der EU, des schwedischen Entwicklungshilfeprogramms SIDA und des Sukkulent Karoo Ecosystem Programme (SKEP) in Höhe von fast einer Million Namibia Dollar in Aussicht. Aber auch der Stiftungsrat selbst packt mit an. Die von der Gemeinschaft gewählten Mitglieder Piet Swiegers (Vorsitzender), Emil Franz (Vizevorsitzender), Willem Swiegers (Schatzmeister), Emma Boois (Sekretärin), Bobby Murphy, Johannes Mohenje und Mateus Haikali entschieden mehrheitlich, sich für das Gebäude Ecke Lüderitz- und Jerusalemstraße im Ortskern ein Vorkaufsrecht zu sichern. Von dort aus will man in Phasen weitere Gebäude zu Museen umgestalten. Mit der Umsetzung hat der Rat die Firma Nature Investments beauftragt.

Ohne Unterstützung der Bergbaufirmen und anderer großer Unternehmen im Süden Namibias wird das Museumsdorf allerdings wohl nicht zu realisieren sein. Für den Fall hält man sich offen, das Infozentrum doch außerhalb von Aus zu errichten.

Dennoch sind sich alle sicher, dass das Projekt kein weiterer weißer Elefant wird. Denn die Touristen müssen nicht erst überzeugt werden, Aus zu besuchen, sondern sind bereits da: Etwa 30.000 Urlauber pro Jahr passieren den Ort auf ihrer Fahrt nach Lüderitz oder nach Helmeringhausen. Sobald der Ai Ais / Richtersveld Transfrontier Park erschlossen und der Grenzübergang Sendelingsdrif südlich von Rosh Pinah geöffnet ist, sollten auch von Süden her mehr Touristen zu erwarten sein. Das Museumsdorf dürfte bestimmt zu einem mehrstündigen oder gar mehrtägigen Stopp verleiten. Natürlich will man auch die Reiseveranstalter dazu bewegen, Aus in ihre Touren einzubinden.

Foto: Für eine bessere Zukunft für Aus: (vorne, l.n.r.) Architektin Nina Maritz, Anna Geraldo (Nature Investments) und Piet Swiegers (Rats-vorsitzender); (hinten l.n.r.) Emma Boois (Ratssekretärin), Mannfred Goldbeck (GfD Nature Investments), Mateus Haikali (Rat), Benedict Libanda (NNF), Bobby Murphy (Rat), Maxi Louis (GfD Nacobta), Ed Humphrey (NTDP) und Willem Swiegers (Ratsschatzmeister). Foto: sek

back
 

Plus online by Plus Weekly
Publisher: Feddersen Publications cc.
email : info@namibiaplus.com
Tel: +264 (0)61 233635
Fax: +264 (0)61 230478
P.O.Box 21506
Windhoek
Namibia