Wie Geschichte einseitig wird

Friday 10th of September 2004
Hans Feddersen

Es sieht alles so verdammt unschuldig aus. So edel, hilfreich und gut... Dabei geht es hier um ein ganz klares Beispiel dafür, wie man Geschichte nach eigener Version verbiegt, bewußt falsch darstellt und dann diese Propaganda als einzig gültige Wahrheit verkauft.

Es geht um das Vorhaben des Kabinetts, die Niederlassung Ondeshifiilwa (Engela-Bezirk) zum nationalen Denkmal zu erklären. Erinnern wir uns? Am 1. April 1989 sollte der Lösungsplan für Namibias Unabhängigkeit (Resolution 435) greifen. Am 1. April waren Ahtisaari, Pik Botha und Maggie Thatcher hier, als plötzlich bewaffnete Swapo-Kämpfer ?9ber die Grenze kamen und hierzulande permanente Militärstützpunkte einrichten wollten, die sie seit 1966 nie hatten! Das Kabinett formuliert, daß die „mutigen Kämpfer von der rassistischen Armee des ehemaligen Apartheidsregimes in südafrika brutal ermordet und anschließend in einem Massengrab in Ondeshifiilwa beerdigt wurden". Diesen Ort habe Swapo bisher verwaltet. Der Denk-malsrat fügt hinzu: Nun sei es an der Zeit, dem Ort einen „nationalen Charakter" zu verleihen.

Der Opfer soll gedacht werden.

Dabei wurde ihr Blut völlig sinnlos vergossen. Und wer erinnert sich noch an die aufregenden 9 Tage, als erst eine große Konferenz auf Mount Etjo zu dem Beschluß führte, daß Südafrikaner ihre Stützpunkte verlassen und gegen die Eindringlinge kämpfen sollen! Beschluß aller am Übergangsprozeß Beteiligten! Täglich wurde man auf Pressekonferenzen mit neuer Statistik „bombardiert" (Tote, Verletzte). Der gesamte Prozeß, der Wahlen und eine Verfassung vorbereiten sollte, war grausam ins Stocken geraten. Es lag ein eindeutiger Verstoß des Swapo-Militärs gegen die Vereinbarungen vor. Vom Kontingent der UNO, dessen Etat um ein Drittel gekürzt worden war, waren erst etwa 1 500 Mann einsatzfähig. Sie konnten der Lage nicht Herr werden. Daher Pik Bothas Ultimatum: Entweder werden die Swapo-Kämpfer zurückgetrieben, oder UNTAG muß gehen!

Die UNO gab den Südafrikanern den Befehl, gegen PLAN vorzugehen!!

Und nun soll nur der Swapo-Opfer gedacht werden? Warum waren sie denn bewaffnet ins Land eingefallen?

Sie kamen ganz sicher nicht in friedlicher Absicht...

Einseitig nur der PLAn-Mitglieder zu gedenken mag politisch korrekt erscheinen. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf?

Aber jene, die im Auftrag der UNO aus den Kasernen geholt wurden und im Kampf fielen, soll man vergessen. So geht man mit Gegnern um. Kein Wort darüber, daß die 1600 PLAN-Kämpfer (von denen in 9 Tagen 316 fielen) den Friedensprozeß gefärdeten. Dabei sollte der Friede unter UNO-Aufsicht doch erst eine Swapo-Regierung ermöglichen! Kein Wort darüber, daß es im Grunde den Südafrikanern (und Namibiern, die mithalfen) zu verdanken war, daß „Resolution 435" weiterging. Zugegeben, das klingt heute alles nicht mehr „politisch korrekt", aber angesichts der internationalen Kontroversen um Freiheitskämpfer und Terroristen sei an einige historische Wahrheiten ruhig mal erinnert...

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