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Braucht Namibia deutsche Kultur? Saturday 25th of September 2004 Im deutschen Hörfunk wurde am Mittwochabend über die Frage diskutiert, ob Namibia deutsche Kultur braucht - und niemand kam auf die Idee, den Begriff zu hinterfragen. War wirklich deutsche Kultur gemeint? Und wenn ja, was ist deutsch? Ging es um Tradition und Feste? Zumindest deutet die Frage an, daß es vielleicht einmal deutsche Kultur in Namibia gab. Aber grundsätzlich: Was darf deutsche Kultur in einer Zeit der Versöhnung, Umerziehung, Wiedergutmachung, politischer Korrektheit und Globalisierung? Hat deutsche Kultur mit Ethnizität zu tun? Oder nur mit Dichtern und Denkern? Vielleicht ist deutsch heute eine „Ballermann-Kultur"? Ganz klar: Irgendwie war es „früher" einfacher, „deutsche Kultur" zu erklären. Und trotzdem: deutsch waren auch Einstein und Kafka, Goebbels und Marx (um von Österreichern wie Hitler und Haider nicht zu sprechen). In Namibia war „deutsch" immer im Umbruch. Ständig mußte man zwischem Selbstbewußtsein und „kolonialem Sendungsbewußtsein" und einer Neubestimmung unterscheiden. Damit es nicht heißt „Achtung, Neo-Nazi" beschäftigen sich immer weniger deutschsprachige Namibier gar nicht mehr mit ihrer Kultur! Sie ziehen sich in die eigenen vier Wände zurück, schauen sich im deutschen Fernsehen die Bundesliga an (oder vielleicht sogar minderwertige Quatsch-Talk-Shows) und verzichten auf jegliches politische Engagement. Wo liegt die Schuld? Wie gesagt: Viel zu leicht kommt man in den Ruf, Ewig-Gestriger zu sein... Denn deutsche Kultur ist wohl eher „neu-deutsche Kultur". Statt Kulturrat heute NaDS und Goethezentrum. Wer sich früher - und vielleicht ein Leben lang - für „deutsche Kultur" eingesetzt hat, ist irgendwann enttäuscht worden. Vieles ist heute überholt. Nicht mehr gefragt, sondern höchstens Alibi. Statt Deutsch als Muttersprache ist heute Deutsch als Fremdsprache gefragt. Statt politischer (ethnischer?) Träume ist heute sozialer Einsatz gefragt. Statt Abgrenzung geht es um Gemeinsamkeiten. Wer „Deutsche Kulturwochen" veranstalten will, muß besonders vorsichtig sein - und mag sich deshalb vom Gedanken der „political correctness" leiten lassen.Die Frage des Hörfunks ist noch längst nicht beantwortet. Braucht ein Land, das kein Geld hat, ein Finanzministerium? - |
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