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Thursday 20th of March 2003 ![]() Swasiland ist die letzte regierende Monarchie in Afrika. Der junge König Mswati III bewahrt alte Traditionen und muß sein Land im Zeitalter der Globalisierung an Reformen heranführen. Da prallen öfter zwei Kulturen aufeinander. Einerseits hat der König traditionell mehrere Ehefrauen, doch konnte er andererseits ausländische Investoren gewinnen, die eine moderne Textilindustrie und Glasbläserei aufgebaut haben. Nach einem Besuch von dem vorigen Premierminister Hage Geingob vergangenes Jahr in Swasiland, den Verhandlungen für neue Zolleinnahmen der Mitgliedsstaaten der Zollunion, die jetzt erfolgreich beendet wurden – Swasiland ist mit Namibia, Botswana, Lesotho und Südafrika Mitglied der SACU – sind sich Namibia und Swasiland näher gekommen. Am späten Mittwochabend, den 18. März traf die Hauptfrau von König Mswati, Königin Lamatsebula in Namibia ein - auf Einladung von Namibias First Lady, Kovambo Nujoma. Fünf Tage lang will sie das Land bereisen - im Auto. Im Norden wird sie ländliche Entwicklungsprojekte für Frauen besichtigen um dann die 1000 km Strecke nach Swakopmund an die Küste wieder im Wagen zurückzulegen. Ihr erster Termin war im Landwirtschaftsministerium. Experten der Forschungsabteilung hatten sich auf das königliche Wunschthema vorbereitet: die wirtschaftliche und nachhaltige Nutzung einheimischer Fruchtsorten. Vizedirektor Ipinge berichtete, daß nach einem ersten Seminar im Jahr 2000 eine Aktionsgruppe gebildet worden war mit Vetretern verschiedener Ministerien (Umwelt, Höhere Bildung, Universität von Namibia) und einigen Nichtregierungsorganisationen. Die Aufgabe der Regierung sei es, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit der Privatsektor aktiv werden könne. Nach einigen Studien habe sich schnell gezeigt, daß ein starkes Potential vorhanden sei. ,,Inzwischen haben wir Frauengruppen, die Marulafrüchte (sclerocarya birrca) sammeln und deren Fruchtfleisch zu Saft und Likör verarbeiten – traditionelle Aktivitäten, die aber jetzt unter hygienischen Bedingungen im größerem Rahmen geschehen, da die Produkte verkauft werden. Sie werden für das Sammeln der Früchte und deren Ablieferung bezahlt und wir haben Gelder locker gemacht für Fruchtpressen. Unsere Aktionsgruppe kümmert sich um die Vermarktung”, erläuterete Ipinge. Er erwähnte ferner, daß von den Magunifrüchten (strychnos cocculoides) in der Okavangoregion ebenfalls Likör hergestellt werde, in der regionalen Hauptstadt Rundu. Die gewöhnliche Tsamma-Melone (citrullus lanatus) sei inzwischen sehr gesucht, weil ihre Kerne ein hochwertiges Oel lieferten, daß in der Hautpflege wichtig sei. Ipinge berichtete der Königin aus Swasiland, daß eine britische Firma – Body Shop - weltweit die Hautcreme mit dem Oel der namibischen Tsamma vermarkte. Nun nahm die Königin das Wort. In perfektem Englisch sagte die Mittdreißigerin, ihr Volk würde die Marulafrucht auch sehr schätzen und Marmelade daraus herstellen. ,,Unsere Nationen können voneinander lernen. Mein Ziel als First Lady ist die Entwicklung unserer Frauen und Möglichkeiten für sie, Einkommen für sie zu schaffen. Jede Generation hat die Aufgabe, Dinge für die nächste Generation zu bewahren. Das trifft auch auf die Natur zu. Die Bäume, die uns die Früchte liefern müssen wir bewahren, denn wir können sie wirtschaftlich nutzen”, sagte Königin Lamatsebula. Dann setze sie noch eins drauf. Ganz bescheiden erwähnte sie, daß sie in diesem Jahr ihr Psychologistudium abschließe. ,,Ich habe dieses Studium gewählt, damit ich Menschen besser verstehen kann. Wenn man in meiner Position ist, kann man Dinge bewegen. Man ist dazu da, dem Volk zu dienen, nicht umgekehrt “, sagte sie. ,,Wenn Menschen weinen, muß man herausfinden, warum sie weinen”, fügte sie fast poetisch hinzu. Deutlich war für alle (namibischen) Anwesenden zu spüren, daß hier eine neue Generation von First Ladies auf dem afrikanischen Kontinent herangewachsen war und andere Akzente setzte. ,,Und noch etwas. Ich bin eine sehr direkter Mensch. Wenn ich sehe daß etwas falsch ist, werden Sie von mir hören, daß es falsch ist”, sagte sie mit entwaffnendem Lächeln zu den verdutzten namibischen Ministerilabeamten. In Windhoek informierte sich die Königliche Hoheit, wie sie laut Protokoll anzusprechen ist, außerdem im Namibia Investment Centre über Namibias Bemühungen, Investitionen zu gewinnen und besichtigte die neue Textilfabrik Ramatex, die seit 11 Monaten in Betrieb ist und rund 3 200 Menschen beschäftigt. Investor ist der Malaysier chinesischer Abstammung Albert Lim. Ramatex produziert ausschließlich für den Export, das meiste geht in die Vereinigten Staaten. Das Etikett Made In Namibia ist der ganze Stolz der Beamten im Handels-und Industrieministerium, denn das Prestigeprojekt mit 10 Millionen US Dollar ist nicht ganz unumstritten in Namibia – aus Umweltgründen. Immerhin sind die riesigen Fabrikhallen beeindruckend: modernste Technik verwandelt dicke Baumwollzöpfe maschinell in Fäden, tausende Garnrollen in langen Maschinenreihen werden gespult um in der Nachbarhalle an runden Türmen mit sanften Klickgeräuschen Baumwollstoffe wie von Geisterhand zu weben. In zwei weiteren Hallen – taghell erleuchtet – sitzen insgesamt 2 400 Näherinnen aus früher benachteiligten Bevölkerungsgruppen und schneiden zu, nähen im Akkord, verpacken die Waren und zeigen mit breitem Lächeln den Besuchern stolz das Made in Namibia Etikett. Diese Fabrik ist die größte in Namibia. Zwei weitere malaysische Farbiken sind schon fast fertig, eine soll Anfang April in Produktion gehen, die ersten paar hundert Arbeiter werden schon ausgebildet. Rhino Textiles wird Stoffe und Garn von Ramatex ankaufen, denn Lims Fabrik hat eine eigene Färberei und stellt auch Garne auf dem Gelände her. Die Königin aus Swasiland ist nicht branchenfremd, ihr Land kennt sich mit Baumwolle aus. Interessiert stellte sie sachkundige Fragen, ließ sich alles zeigen und ihre kleine Delegation von Hofdamen, Protokoll- und Sicherheitsleuten liessen die Presse ungehindert agieren. Im zentralen Norden wird sie sich zwei Tage aufhalten und auch dem König der Ondonga, Elifas Kauluma, einen Höflichkeitsbesuch abstatten. Eins ist gewiß – wenn mehr afrikanische First Ladies der jüngereren Generation ähnlich eingestellt wären wie Königin Lamatsebula, würden die Winde der Veränderung sehr stark und positiv ganz Afrika durchpusten. Kein Wunder, daß ihr königlicher Gatte gerade sie unter seinen Ehefrauen zur Nummer Eins machte. Foto : Königin Lamatsebula von Swaziland (rechts mit Hut) ließ sich von Mrs Lim die Stoffherstellung in der Textilfabrik erklären. Foto: Brigitte Weidlich |
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