Treibholz - Helmut Sydows Erstlingsroman

Friday 8th of October 2004
Hans Feddersen

In gewisser Weise ist der Roman „Treibholz" ein Ergebnis der Schreibwerkstatt, die vom Deutschen Kulturrat in Arandis angeboten wurde. Vor allem ist das Erstlingswerk des bekannten Fernseh- und Rundfunkjournalisten Helmut Sydow eine „Liebesmüh‘, die nicht in Geld aufzuwiegen ist". Über vier Jahre widmete der Autor seinen fünf Hauptcharakteren, die „organisch gewachsen sind".

„Treibholz" ist natürlich ein Symbol. Hier geht es um das hilflose Ausgeliefertsein an die Strömungen des Lebens, wobei das salzige Stück Holz verkrustet, bis es kein Feuer mehr entfachen kann und gefühlsmäßig hart wird. „Vielleicht eignet es höchstens noch für einen Maler, der das Motiv auf einem Plakat festhält", sagt Sydow, dessen Figuren nach dem Ersten Weltkrieg keinen Halt mehr hatten, keinen Spielraum zu individueller Persönlich-keitsentwicklung, - eben: Treibholz in der ewigen Diskrepanz von Ideal und Wirklichkeit. Darin, wie Feierabend, Müller, die Gräfin, Veronique und Barnard damit fertig werden, erinnert der literarische Roman an den Nervenkitzel eines Kriminalromans. Hier aber entsteht ein inneres, „geistiges Schachspiel", das sich nie in eine Zwangsjacke schnüren läßt.

Sydow benutzt Techniken aus dem Fernsehen: Montage, harter Schnitt (keine weichen Übergänge), vieldeutige Perspektiven und spontane Handlungsabläufe, knappe Vorgaben eines Drehbuchs - und dennoch soll die subtile Seelenanalyse die Entwicklungen in Namibia literarisch verarbeiten: „Der Duft muß dem Leser in die Nase springen!" erklärt der Autor, und: „Es ist anstrengend, so zu schreiben, wenn man nicht weiß, wie es weitergeht".

Das liegt wohl auch an dem Versuch, mit Hilfe der Erzählzeit (Imperfekt und Plusquamperfekt, Präsens und Futurum) Sequenzen zu verbinden und Ebenen abzugrenzen. Durch den „Echo-Effekt" (deja-vu), den der Schriftsteller stellenweise anwendet, wird das Werk keineswegs „leichte Hausmannskost".

Die verständliche Sprache und der spannende Gegensatz der Protagonisten können nicht darüber hinweg täuschen, daß hier ein ernsthafter (und literarisch durchaus wertvoller) Versuch unternommen wurde, den Spagat zwischen Kunstwerk und harten namibischen Tatsachen zu schaffen. Alle Achtung!

„Treibholz" wird demnächst offiziell vorgestellt. Das Buch erscheint im Verlag „feddersen publications" (wie auch die PLUS).

Der interessante Umschlag-Entwurf gelang Ralf Bombosch (Wien) - nach einer Idee des Schriftstellers Helmut Sydow.

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