Maharero trifft auf von Trotha

Sunday 26th of December 2004
Brigitte Weidlich

Es war eine historische Reise und sie brachte den Beginn einer weitreichenden Versöhnung: zwei direkte Nachfahren von Häuptling Samuel Maharero besuchten die Familie von Trotha Mitte November in Deutschland und reichten sich die Hand der Versöhnung. Man sprach vom Beginn eines Heilungsprozesses und eines Dialoges zwischen den Familien. Das geschah zeitgleich mit dem gerichtlichen Urteil in den USA, das die Reparationsklage von Stammesführer Kuaima Riruako abgewiesen hatte.

Vor 100 Jahren hatte General Lothar von Trotha im ehemaligen Südwestafrika den „Vernichtungsbefehl" gegen das Volk der Herero am Ende ihres Aufstandes erteilt. Tausende versuchten nach Botswana zu fliehen und kamen in der Omaheke Region um.

Durch kirchliche und diplomatische Vermittlung wurde es Stammeschef Alfons Maharero und seinem Ratgeber Gustav Mupurua, einem Urenkel von Samuel, ermöglicht, diese Reise anzutreten, begleitet von Bischof Reinhard Keding der DELK in Namibia und Erika von Wietersheim. Sie besuchten die Synode der Evangelischen Kirche in Magdeburg, statteten Bun-desentwicklungsministerin Heidi Wieczorek-Zeul einen Höflichkeitsbesuch in Berlin ab, trafen dort Namibias Botschafter Hanno Rumpf und verbrachten dann zwei Tage mit zahlreichen Vertretern der Familie von Trotha auf der Insel Nonnenau auf dem Rhein.

Wie Frau von Wietersheim PLUS mitteilte, gab es in Berlin ein herzliches Wiedersehen mit Ministerin Wieczorek-Zeul, die im August in Ohamakari das Volk der Herero im Namen der Bundesregierung ,,um Vergebung der Sünden" bat.

Hereroführer Maharero sprach der Ministerin die ,,tiefe Verbundenheit" seines Volkes aus für ihre ,,Entschlossenheit und ihr staatsmännisches Verhalten" in Ohamakari, berichtete Frau von Wietersheim.

Beide Gesprächspartner waren sich darin einig, die deutsch-namibische Zusammenarbeit ,,noch stärke als bisher darauf auszurichten, die Traumata, die die Verbrechen der deutschen Truppen damals verursacht hatten, zu heilen, und das gegenseitige Vertrauen und den Dialog zu stärken", hieß es anschließend in der offiziellen Presseerklärung der Ministerin.

In seiner Ansprache vor der Magdeburger Synode bat Alfons Maharero um Unterstützung für die neugegründete Samuel Maharero Gedächtnisstiftung (Samuel Maharero Memorial Trust).

Die Begegnung mit den von Trothas war geprägt von langen Gesprächen, geleitet von Wolf-Thilo von Trotha, Vorsitzender des Familienverbandes (www.Trotha.de)

,,Wir Mitglieder der Familie von Trotha sind beschämt über die schrecklichen Ereignisse vor 100 Jahren. Wir bedauern zutiefst das damalige Schicksal ihres Volkes", erklärte Wolf-Thilo von Trotha.

Nun ist der Bann gebrochen, es ist anzunehmen daß zum Hererotag 2005 endlich Mitglieder derer von Trotha nach Namibia reisen werden.

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