Und nun der "Rote Platz"

Sunday 26th of December 2004
Hans Feddersen

Weihnachtszeit, fröhliche Zeit. Vor allem aber auch: versöhnliche Zeit.

Man ist geneigt, nichts Böses zu sehen, zu hören, zu sehen. Das Leben ist ja auch viel angenehmer, wenn es (mal) keinen Ärger gibt! Kurz: Es würde niemanden aufre-gen, wenn die Hauptstadt zum Beispiel plötzlich das größte Hundeklo der Welt bauen wollte...

Natürlich hat niemand etwas gegen Hundeklos. Und natürlich wäre der Gedanke ehrenvoll, denn wer kann schon auf seine Fahne schreiben, das größte Hundeklo zu haben? Hinter vorgehaltener Hand darf man flüstern:"Niemand merkt etwas!"

Machen wir also weiter...

Die Stadtverwaltung würde irgendwann einigen Architekten den Auftrag geben, die ersten Pläne aufzuzeichnen. Und die Öffentlichkeit würde kaum stutzig werden, wenn plötzlich um Preisangebote nachge-sucht würde: Für manch ein Unter-nehmen wäre das vielleicht sogar der rettende Strohhalm, das Hundeklo. Unser größtes Hundeklo der Welt! Denn daß der Eiffelturm dagegen ein Zwerg wäre, ist selbstverständlich....

Wir würden keine Kosten scheuen.

Warum auch. Wer weiß schon, daß der Heldenacker ein nationales Denk-mal ist, das kaum von Besuchern frequentiert wird? So etwas tut weh! Denn wir brauchen ein pompöses Denkmal, eine Attraktion, für die es sich lohnt, Millionen zu verschleudern.

Denn es ist wichtig, Zeichen der nationalen Versöhnung, Symbole unseres nationalen Stolzes zu bauen, wo doch andere Erfolge ausbleiben.

(Hier lohnt es vielleicht einmal, sich die Erfolge Südafrikas im Jahr 2004 anzusehen).

Natürlich würden wir uns nicht mit dem größten Hundeklo der Welt zufrieden geben.

Die Weihnachtszeit und in gewisser Weise auch noch Silvester bieten die Chance, die Dimensionen unseres Wunschdenkens zu erweitern.

Paris hat seinen Eiffel-turm - und nun haben die Franzosen auch noch die höchste Brücke der Welt eingeweiht -. Peking hat den Platz des Heiligen Friedens. Moskau hat seinen berühmten Roten Platz.. Auch Johan-nesburg (Braamfontein) hat inzwi-schen sein Nelson Mandela Square...

Deshalb brauchen wir einen riesengroßen Platz mit einer Sieges-säule oder so etwas Ähnliches. Jedenfalls eine nationale Unabhän-gigkeitsstatue. Dafür würden die Regionen bestimmt gaaaanz tief in die Taschen greifen (vor allem die Taschen der Steuerzahler, versteht sich). Denn für Freiheit und Unabhängigkeit, für Frieden und Gerechtigkeit - geben wir gern unser letztes Hemd her. Und das nicht nur zur Weihnachtszeit!

Natürlich braucht unsere Demokratie solch ein Symbol der wachsenden Demokratie. Keineswegs geht es um „nur einmal mehr ein bedeutendes Mahnmal, das an Nujoma erinnern würde"... Und so sucht die Stadtver-waltung weiter - nach architekto-nischen Entwürfen, nach dem Platz und dem Obelisken. Und vielleicht auch nach Geld?

Liebe Leser, es geht also nicht um ein Hundeklo. So schön die Idee vermutlich klingen mag. Denn die Friedenstauben, würden sich beim Gedanken an die Hunde nicht so enorm wohl fühlen. Sie warten - auf das martialische, robuste, pompöse und bestimmt auch klobige Denkmal auf dem namibischen Roten Platz...

Frohes Fest! Wünschen Sie sich etwas!i

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