Der Caprivi-Prozess

Friday 4th of February 2005
Hans Feddersen

Die namibische Verfassung läßt keinen Zweifel daran, daß die Landesgrenzen den Caprivi-Streifen einschließen. Und damit sind auch die Bürger dieser Region Namibier, die sich den namibischen Gesetzen unterzuordnen haben. Wenn also „Separatisten" vor Gericht erscheinen, so müssen sie nach herrschendem Recht behandelt werden. Interessant ist die Behauptung von 15 Angeklagten, sie fühlten sich nicht als Namibier. Denn damit gestehen sie einerseits ein, als „Separatisten" am Aufstand teilgenommen zu haben, der zum längsten (und für Außenstehende auch langweiligsten) Gerichtsprozeß in der Geschichte des jungen Namibias führte. Ihre Aussage ist jedoch zumindest ethnologisch interessant: „Wir glauben, daß die Swapo-Regierung den Caprivi gewaltsam und illegal regiert und daß diese Besetzung dem Willen der Caprivier widerspricht". Geschichtlich, traditionell und kulturell sei die Caprivi-Region von Namibia zu trennen. Die 15 (von 120) Angeklagten mußten förmlich „aus dem Gefängnis in den Gerichtssaal gezwungen werden". Am Mittwoch ging der Prozeß weiter, obwohl die 15 nun nicht mehr durch Anwälte vertreten werden. - Kurzer Abstecher in den Irak: Dort glauben Beobachter, daß das Land langfristig in drei Teile (für Sunniten, Schiiten und Kurden) zerfallen müßte. Zurück nach Grootfontein: Das Gericht kann in Abwesenheit der „Rebellen" fortgesetzt werden). Interessant ist, daß die 15 behaupten, Caprivi sei nicht Teil von Namibia... Und welche Konsequenzen ergeben sich daraus? Da werden Erinnerungen an eine Zeit wach, als bestimmte Politiker von „zwei Teilen" des Landes träumten: einem nördlichen Teil (nördlich der Etosha-Pfanne) und einem südlichen. Wenn dann aber in Zukunft alle ethnischen Gruppen behaupten, sie (oder eben die nördlichen Gruppen) seien nicht Teil von Namibia,.... Es gibt tatsächlich die Meinung, die größte Volks-gruppe habe sich mit Hilfe der UNO den südlichen Teil angeeignet; sich sozusagen südlich des Etoschaparks politisch ausge-breitet,... Wir sind hier wohl mit den Folgen der Kolonialzeit konfrontiert, als Grenzen rücksichtslos „mit dem Lineal" quer durch Völker hindurch gezogen wurden, die dann heute noch verfassungsrechtlich gelten sollen. Aber Namibia ist nicht Irak??

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