Heinemann Reinert - das Leben einer Frohnatur

Friday 11th of February 2005
Bernd Kroemer

Fast ist man geneigt dies als seine Lebensmaxime zu unterstreichen. Aber da war mehr. Da war ein aufrechter Mann, dem preussische Tugenden viel bedeuteten. Das hat er in vielen Jahren als fleissiger Farmer aber auch als Prokurist und Mitglied der Geschäftsleitung eines grossen Betonwerkes über 30 Jahre lang bewiesen. Und dann gab es noch den sozialen Heinemann Reinert, der ab den 60er Jahren jungen Einwanderern den Einstieg in eine "unbekannte Welt", damals Südwestafrika, erleichterte. Heinemann rief den Jugendbund wieder ins Leben. Jetzt hatten die jungen Einwanderer (aber auch viele Einheimische) eine Anlaufstelle, Geselligkeit und viele Safaris die heute Legende sind. Aber er war auch Karnevalist und er kümmerte sich um die Gräber gefallener Soldaten die in namibischer Erde ihre letzte Ruhe fanden. Sein soziales Engagement bewies er auch als Mitglied im Lions Club Windhoek Alte Feste. Doch all davon später!

Heinz Reinert wurde am 15. Dezember 1932 im westfälischen Hagen als Sohn des Lehrers Dr.phil. Willi Reinert und Frau Hanna geboren. Ein Farmer namens Heinz Goedecke aus Südwestafrika, der Mitte der 20iger Jahre des vorigen Jahrhunderts in Deutschland zur Ausbildung weilte, wurde von Studienrat Dr. Reinert familiär in Obhut genommen.

Jetzt zeigt er sich erkenntlich und übernimmt die Patenschaft für den kleinen Heinz. Als Taufgeschenk erhält Heinz ein Färskalb plus dessen Nachzucht.

1951 gehören dem jungen Heinz Reinert 27 Rinder. Heinz wollte natürlich seinen Besitz im fernen Afrika einmal in Augenschein nehmen, dazu wollte er aber vorbereitet sein! Er absolviert einen Milchprüfer-Lehrgang, einen Kurs für künstliche Besamung und er schliesst eine Lehre als Autoschlosser ab.

Mit dem Gesellenbrief in der Tasche kommt Heinz am 10. Oktober mit dem Schiff "Bloemfontein Castle" in Südwestafrika an. Vier Jahre lang arbeitet er als Verwalter auf der Farm seines Patenonkels, er lernt das Land und seine Leute lieben, die Rückreise nach Deutschland wird immer wieder verschoben und als dann die holde Karin Mludek in sein Leben trat war Heinz für Deutschland verloren.

Jetzt nahm Heineman, wie er von nunan genannt wurde, eine leitende Stelle bei der Firma Precast Concrete Industries in Windhoek an. Dreissig Jahre lang, bis zu seinem altersbe-dingten Ausscheiden, war er für diese Firma tätig und Heinemann war massgeblich am Erfolg und am Wachs-tum dieses Unternehmens beteiligt.

In diese Periode fällt auch sein Engagement für den Windhoeker Karneval. Mitte der 70iger Jahre schliesst er sich dem Faschingskomitee an, ist begeisterter Büttenredner und Sänger im Matzki-Trio. Danach gründete er das Heinemann-Trio mit dem er 4 Sessionen lang das karnevalistische Bühnenbild bereichert. 1977 wurde er zum Prinz "Heinemann der Konkrete" gewählt, war in den 80iger Jahren 2 Jahre lang Karnevalspräsident und erweckte 1985 den Kinderkarneval wieder zum Leben. 1988 war Heinemann WIKA Zere-monienmeister und baute ab 2000 das Windhoeker Karnevalsmuseum auf, in den Räumlichkeiten der "Alten Brauerei". Bis zu seinem Tode trat er als Kurator auf und hat in dieser Zeit wertvolle, karnevalistische Austel-lungsgegenstände zusammengetragen.

Mitte der 80iger Jahre entdeckt er auch sein Interesse an der Geschichte Südwestafrikas. Heinemann studiert die gängige Literatur und entwickelt sich langsam zum Fachmann der Schutztruppen-Periode. Zeitgleich wird er Mitglied bei der Krieggrä-berfürsorge Namibia und seit 1987 leitet er als 1. Vorsitzender diese Vereinigung. Sein rühriger Verein betreut auf 825 000 Quadratkilomter Land, über 2300 Gräber deutscher Soldaten, 1200 Gräber südafrikanischer Unionstruppen und einige wenige bekannte Herero-Gräber. 15 000 Kilomter legten Heinemann und seine 18 ehrenamtlichen Helfer pro Jahr zurück.

Seine Leistungen in diesem Metier erhielten letztendlich auch die volle Anerkennung der namibischen Regierung, als er mit seiner Ver-einigung einen Gedenkstein an Bondelswartsführer Christian in Warmbad errichtete und an der Rückführung und Umbettung der Gebeine des Hererohäuptlings King Michael Tjiseseta nach Omaruru massgeblich beteiligt war.

Damit nicht genug, eine andere Gruppierung mit starkem sozialen Engagement wurde auf Heinemann aufmerksam, der Lions Club Windhoek Alte Feste. Am 26. August 1981 wird Heinemann feierlich in die Bruderschaft der Lions aufgenommen. Mit Fleiss, Energie und immer mit einem Lachen im Gesicht wird Heinemann bald zu einem Vorzeige-Lion. Gerne unterstützte er das SOS Kinderdorf-Projekt in Khomasdal, das Susanne Grau Senioren-heim durfte immer mit seiner Hilfe rechnen und wenn junge Leo’s aus Deutschland zu Besuch weilten, organisierte Heinemann mit Sicherheit eine Safari. Es gab keine Arbeit für die er sich zu schade gewesen wäre. Bis zum Schluss leitete Heinemann das Clubhaus-Komitee. Ein Freitagabend in der Bar, ohne Heinemann….undenkbar! Mit seinem Einsatzwillen war Heinemann prädestiniert für die Position als Lionspräsident. Diese Aufgabe erfüllte er äusserst erfolgreich in den Jahren 1986/87, 1995/97 sowie in den Jahren 1999 bis 2001. Heinemann war ein Meister der Motivation und er lebte einfach nach seiner Devise "Geht nicht, gibt’s nicht!

Für all seinen vorbildlichen Einsatz wurde Heinemann mit in-und ausländischen Orden und Ehrenzeichen gewürdigt. Unter Anderem war Heine-mann Träger der Goldenen Verbandsnadel des Traditionsverbandes ehemaliger Schutz-und Uebersee-truppen, für seinen karnevalitischen Einsatz in Namibia erhielt er den hohen deutschen Verdienstorden des BDK in Silber, Heinemann war Melvin Jones Fellow von Lions International und für seine ausserordentlichen Verdienste um die Kriegsgräberfürsorge wurde Heinemann mit dem Bundes-verdienstkreuz ausgezeichnet.

Viel zu früh hat er den Ort seines Schaffens für immer verlassen müssen.

Ich hatt’ einen Kameraden……….

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