Die Luft ist raus...

Friday 11th of February 2005
Hans Feddersen

Da eröffnete Präsident Nujoma die Sitzung des Kabinetts - und man hatte das Gefühl, daß er sich kaum vorbereitet hatte. Immerhin war das Programm in letzter Zeit umfangreich und vielseitig gefüllt. Auslandsreisen, Abschiedsbesuche, Schulter-klopfen, Händeschütteln. Zwischendurch schielt er wohl mal auf das neue Staatshaus. Keine Reaktion auf Ramatex, aber er schaffte sogar noch, ganz schnell zum paedophilen Oberrichter Stellung nehmen. Der Mann hat viel um die Ohren. Da blieb natürlich nicht viel Zeit für das Kabinett. Und man sollte nicht mehr viel Inhalt erwarten, wenn es um die Lage der Nation geht. Zum Beispiel kein Wort über das Schlamassel, das durch die Unfähigkeit der Wahl-Kommission entstanden ist. Vielleicht entsteht ja doch noch eine Situation, wo wir nicht wissen, wer uns in fünf Wochen regiert, und dann ... zieht der Landesvater für ein paar Wochen in den Staatspalast ein. Nehmen wir seine Rede zur Eröffnung des Kabinetts unter die Lupe, so gab es nichts Neues. Für das Erziehungswesen braucht Namibia Geld. Das Land soll tausende Ingenieure, Geologen, Mengenberechner, Buchprüfer, Tierärzte, Wissenschaftler aus dem Boden stampfen („Vision 2030"). Das Straßenprojekt Okahao-Omakange-Opuwo und der Hafen bei Kap Frio müssen endlich in Angriff genommen werden. Im ganzen Lande werden die Krankenhäuser, Schulen und Kliniken besser werden. In diesem Jahr sollen endlich die Selbstversorgungsprogramme in Nahrungsmittelproduktion beginnen. Namibia wird sich für Frieden in der Elfenbeinküste, Ruanda, Demokratische Republik Kongo, Liberien und Sudan stark machen. Tja, und dann spielte der Präsident Vorfreude auf den Unabhängigkeitstag aus: Er freue sich auf den Tag, an dem Hifikepunye Pohamba sein Nachfolger wird. So - was ist an diesen Aussagen neu? Eigentlich gar nichts. Aber was erwarten wir vom Präsidenten? Feurige Reden wohl eher, wenn er im Amt bleiben will. Wenn nicht, dann ist inzwischen wohl zu ihm durchgedrungen, daß eine gewisse Amtsmüdigkeit - und Freude über das Abschiedsgeschenk - den Tagesablauf eines schei-denden Politikers bestimmen. Amtsmüde - so erscheint Nujoma in letzter Zeit. Und dennoch zieht er im Hintergrund die Fäden. Beispiel: Shallis Versetzung als Botschafter nach Lusaka.

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