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Namibia braucht ethische Werte Saturday 19th of February 2005 Namibia braucht eine neue Moral. Ein Pastor entpuppt sich als Vergewaltiger. Ein Bürgermeister schlägt Frauen zusammen, die vermutlich in ihrer Rage ein K-Wort benutzt haben. Ein Richter vergeht sich sexuell an einer Zehn-jährigen, die er zudem mit Alkohol gefügig gemacht haben soll. Einem Boxer mit großer Fan-Gemein-de eilt der Ruf ins Gericht voraus, er habe aufgrund unbeherrschter Fahr-weise mehrere Menschenleben auf dem Gewissen. Wo steuert das Schiff hin? Was ist aus dem Wertesystem unseres Landes nach 15 Jahren Republik geworden? Das Volk wird ständig für dumm gehalten; der Beispiele dafür gibt es genug.Man spricht ja nicht über ethische oder moralische Werte. Manche behaupten, der säkuläre Staat sei daran schuld, denn christliche Werte zählen nicht mehr. Im Namen eines übertriebenen Humanismus (als Gegenbewegung zur Apartheit) sei die Todesstrafe abgeschafft worden. Und damit fehle das schärfste Strafmaß. In Namibia fehlt es an religiösen, weltanschaulichen und kulturellen Prinzipien. Das Leben wird kompli-zierter! Je pluralistischer die Wert-systeme werden und je unabhängiger und eigenständiger einzelne Lebensbe-reiche werden, desto weniger gelingt es, an gemeinsame moralische Inhalte zu glauben. Es scheint, als hätten wir jegliche Richtlinie verloren, was als „richtig" oder „falsch" zu bewerten sei. Was ist „gute Sitte"? Machen wir uns über-haupt Gedanken über die Verwirkli-chung von Sozialwerten (wie z.B. Anerkennung der Rechte unserer Mitmenschen, Gerechtigkeit, Selbst-beherrschung, Zuverlässigkeit, Treue, Höflichkeit, Wahrhaftigkeit) oder sind bei und Besitzstreben, Geschlechts-trieb, Geltungstrieb - und alles, was damit einhergeht - groß geschrieben? Sind Näch-stenliebe, Gastlichkeit, Mildtätigkeit in Namibia zu Fremdworten gewor-den, weil wir uns aus dieser Gesellschaft am liebsten abkapseln? Wir wollen mit der Ar-beitslosigkeit, der wach-senden Kriminalität, der Korruption nichts zu tun haben. Wir lieben unse-ren Mikrokosmos... bis nur noch dieser elfenbeinerne Turm unser Weltbild bestimmt. Unser Leben spielt sich hinter Stacheldraht ab. Wir entziehen uns dem Zugriff von außen, selbst wenn sich kleine Kollektive bilden (etwa im Klub, an der Bar, im Verein). Wir begegnen unseren Mitmenschen mit Mißtrauen. Auch, weil Namibia keineswegs eine „Diktatur des Guten" geworden ist. Auch, weil es der Politik nicht immer gelingt, menschenwürdiges Leben zu schaffen. Die Politik scheint moral-isch überfordert zu sein oder gar kein Interesse daran zu haben, die Grund-lagen für Verbrechen auszumerzen. Aber kann Politik die Menschen moralisch besser machen? Können Gesetze ein moralisches Verhalten erzwingen, wo es keine gemeinsamen Wertüberzeugungen gibt? Hat es in Namibia je ein gemein-sames Gewissen gegeben? Geht das überhaupt, wo sich doch die Wert-überzeugungen auflösen und von Interessenkonflikten überschattet werden? Menschen sind intellektuell und moralisch fehlbar. Wo die Geschichte sehr unterschiedlich interpretiert werden kann und soziale Hintergründe extrem verschieden sind, fällt es schwer, an gemeinsame, objektive Moral zu glauben. Wir haben ja schon Schwierigkeiten, Begriffe wie Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden, bzw. „one Namibia, one Nation" zu verstehen! |
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