Wenn Bush nach Windhoek käme

Saturday 26th of February 2005
Hans Feddersen

Das „Ende der Eiszeit" zwischen dem „alten Europa" und US-Präsident George Bush sah für viele wie ein Zirkus aus. Die militärischen Ehren für Bush kann man durchaus verstehen, aber warum die Mainzer Bürger wohl unter neuen Benimm-Regeln leiden mußten, bis der Besuch (sieben Stunden Belagerungszustand) im Gutenberg-Museum ein Ende fand, das ist nicht ganz klar. Die Schüler konnten sich freuen: sie hatten schulfrei. Aber alle anderen? - Anwohner konnten nur mit Personalausweis in die eigene Wohnung und Besuch mußte vorher angemeldet werden. Kanaldeckel waren zugeschweißt. Taucher hatten im Rhein alles abgesucht. Nirgends durften Fahrräder stehen. Briefkästen wurden abmontiert. Garagen wurden ausgeräumt. Mainz glich einer Geisterstadf: kein Mensch durfte auf den Balkon oder ans Fenster. Nicht nur die Geschäfts-welt klagte über den kollektiven Arbeitsausfall... Und alles für den mächtigsten Mann der Erde.Hatte Bush tatsächlich die Gutenberg-Bibeln als „Autobiografie" bezeichnet? Man traute seinen Ohren kaum... Und man kann sich kaum vorstellen, was in Windhoek geschehen würde, wenn Bush nach Namibia käme. Manches ist leicht geregelt: In Mainz wurden die Opelwerke geschlossen; in Windhoek ist Baden Motors sowieso schon dicht.In Windhoek probten am Mittwoch sämtliche Verkehrspoli-zisten und viele Polizisten den Ernstfall, als Premierminister Theo-Ben Gurirab mit etwa 50 Jugendlichen demonstrierte. Es waren keineswegs 300 Demonstranten, wie unser NBC berichte-te; da wurde wohl die Zahl der „Marschierenden" mit der Ziffer der angemeldeten Delegierten verwechselt? Kurz: Es ergab sich ein ganz schönes Fiasko... Wetten wir, daß ein Besuch des US-Oberhauptes in Windhoek ein einziges Chaos verursachen würde? Wetten wir, daß unsere Bevölkerung den kollektiven Arbeitsausfall besser absorbiert... Wetten wir, daß hier sowieso keine Fahrräder ‘rumstehen würden, und Briefkästen gibt es auch nicht, aus denen vermeintliche Terroristen auftauchen würden. Wetten wir, daß wir vor lauter Aufregung nicht mehr wüßten, ob Norden auch in Namibia Norden ist... Die Garagen wären schnell ausgeräumt (es gibt in Namibia Spezialisten im Bereich der „Umverteilung", die den Job gern erledigen). Und es würde sich in Namibia leicht jemand finden, der Washington nach dem Wirtschaftsschaden eine dicke Rechnung schickt. Hier fordert man nämlich ohne weiteres „Wiedergutmachung".

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