Achtung, Katerstimmung!

Saturday 19th of March 2005
Hans Feddersen

Das Nachzählen der Wählerstimmen hat eines ganz deutlich bewiesen: Wahlleiter Kanime kann keine Zahlen lesen! Er stottert sich dabei etwas zusammen! Gut, gegen-über den Dezember 2004 hat er sich etwas ver-bessert... vermutlich Nachhilfestunden be-kommen. Und das ehrt ihn.

An der Sitzverteilung hat sich nichts geändert.

Auch die Entschuldigung, daß in Namibia nach „nur 15 Jahren Unabhängigkeit" nicht alles klappen kann (weil ja auch Rom nicht an einem Tag gebaut wurde), wird uns wenig Respekt verschaffen.

Wir dürfen uns rühmen, daß der Prozeß der Nachzählung bewiesen hat, daß unsere demokratischen Institutionen erstaunlich gut funktionierten: die Justiz erwies sich als erquickend unab-hängig und neutral.

Wir können aufatmen, daß das Ergebnis der Nachzählung - so chaotisch der Prozeß auch gewesen sein mag - nicht noch größere Diskrepanzen zutage brachte. Die Regierende Partei hat runde 75 Prozent im Parlament. Das sagt doch alles.

Und wir müssen uns weiterhin gedul-den, bis irgendwann einmal jüngere Persönlichkeiten das Ruder überneh-men (solche, die nicht nur vom Frei-heitskampf und seinem Helden schwärmen).

Wir könnten zur Tagesordnung übergehen.

Und da stehen „15 Jahre Unab-hängigkeit" auf der Tagesordnung.

Was bedeutet Ihnen die Unabhän-gigkeit? so fragte am Mittwoch Abend ein Reporter des deutschen Hörfunks der NBC. Eine berechtigte Frage.

Manch einer erinnert sich an das „weltbewegende" Ereignis der Wahlen zur Verfassunggebenden Versammlung unter Aufsicht der UNO. Gab es nicht ganz böse Gerüchte, die zur damals durchaus bestehenden Existenzangst beitrugen?

Das so wichtige Wahlergebnis lag am Abend des 9. November vor.

Am 10. November ging eine noch viel wichtigere Meldung um die Welt: Die Mauer in Berlin war gefallen. Mit diesem Fall wurden Wiedervereini-gung der Deutschen und Zerfall des „real existierenden...." (Sie wissen schon) eingeläutet.

Und im weltfernen Windhoek - damals der Nabel der Welt - setzte sich der Katalog der Menschenrechte in der Verfassung fest, den die „Westmächte" so gern verankert wissen wollten.

Bravo, Namibia! Gut habt Ihr das gemacht - mit Eurer demokratischen, erstaunlich liberalen Verfassung!

Schon zwei Jahre später folgte Südafrika dem Beispiel: Also, es sollte doch mal klappen mit Demo-kratie in Afrika.

Seien wir ehrlich: Wer hätte 1990 gedacht, daß sich eine Opposition 2005 erdreisten würde, ein „irregu-läres Wahlergebnis" gerichtlich anzu-zweifeln? Und wer hätte damals gedacht, daß Sam Nujoma tatsächlich nicht auf Lebenszeit Präsident bleiben würde?

Wer hätte gedacht, daß es den Karneval noch geben würde?

Wer hätte damals gedacht, daß es in Namibia auch 2004 eine durchaus pluralistische Medienlandschaft geben würde... mit relativ bunt gemischten Meinungen. Zumindest geduldet...

Nur beim Verbot der Pfadfinder am Waterberg war Herr Präsident völlig falsch beraten...

Deshalb zurück zur Frage: „Was bedeutet..." - vor 15 Jahren trat die Demokratie in einem afrikanischen Staat ihren Siegeszug an. In einem Kontinent, dessen Herrschafts-systeme auf starken, sturen und rechthaberischen Stammeshäupt-lingen beruhten, die ihren Untertanen sämtliche Entscheidungen abnahmen und ihnen die eigene Meinung aufzwangen. Die „Meinungs- und Verantwortungslosen glichen der Herde, die hinter dem Leithammel herzieht...

Da ist es verdammt schwer, sich in Demokratie zu üben!

Und deshalb: Seien wir der Berliner Mauer dankbar! Ihr Fall hat unsere Politik beeinflußt. Bei allem Schlamassel, in dem wir derzeit stecken, ist dies ein Grund zum Feiern!!

Na, dann Prost!!

Und dann: bitte KEINE Kater-stimmung nach der Fete, denn bei klarem Kopf denkt man kritischer!

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