Wenn Ideen sterben

Saturday 19th of March 2005
Hans Feddersen

Seit 15 Jahren sind Versöhnung und der Aufbau der Nation zu Leitmotiven der namibischen Politik geworden. Heute fragt man sich, was der Bürger von dieser brillanten Idee hatte... Machen sich die Architekten dieser Schlagwörter eigentlich Gedanken darüber, daß ihre Ideen gestorben sein könnten? Und daß sich trotzdem niemand um den Abbau von Armut, Verbrechen und Ungleichheit in unserer Gesellschaft kümmert. Die regierende Partei ist so überwältigend groß, der Präsident so enorm mächtig, daß die Wählerschaft kein besonderes Interesse am politischen Alltag bekundet. Entweder läuft die Gesellschaft unverantwortlich einem Leithammel hinterher, oder sie hat das Kapitel „Politik" abgeschlossen - und die Emigration in eine private Isolation angetreten. - Bei genauem Hinsehen darf man feststellen: Namibia befindet sich nicht in einer politischen Krise! Wie gut... Aber wir erleben eine Krise der Politik. Wie gebannt starren wir auf den Wechsel in der höchsten Etage. Die Masse der Bevölkerung will gar nicht wahrhaben, daß in diesem Wechsel auch politische Chancen entstehen. Etwa für die Verjüngung der Politiker. Und die Verjüngung der Ideen. Dazu muß die politische Elite aber bereit sein, die Problematik zu erkennen - und sich nicht nur im Schlaraffenland ihres elfenbeinernen Turmes zu sonnen. Das Jubiläum, das wir am 21. März gemeinsam mit dem Machtwechsel (so es dann einer ist) erleben, sollte Anlaß zu Überlegungen bieten, die einen langfristigen Frieden zum Ziel haben...

Das Horneberger Schiessen

Die Chance, die Nachzählung der Wahlstimmen vom November 2004 transparent zu gestalten, wurde kläglich vertan. Die Oppositionsparteien wurden nicht über Zwischenergebnisse informiert. Swapo hingegen wurde informiert und jubelte bereits frühzeitig. Am Ende behielt jede Partei die Sitze.... also was sollte das Ganze, wenn alles weiterhin „verdächtig" erscheint???

Der Beigeschmack bleibt... und man fragt sich, was der namibische Wähler noch so alles ertragen soll.

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