Der Karneval ist vorbei

Saturday 30th of April 2005
Hans Feddersen

Die harte Wirklichkeit, die so genannte Realität hat die Narren in Windhoek wieder einge-holt. Dazu gehört, daß bei der Auszählung der Wählerstimmen immer noch 100 000 Zettel ‚falsch" eingeordnet sind. 100 000 Zettel, das ist eine ganze Menge! - Immerhin verhält sich die Bevöl-kerung noch friedlich und nicht so wie in Togo!.

Dazu gehört, daß Ärzte in Krankenhäusern Geld unterschlagen.

Dazu gehört auch, daß Geld aus einer Kirche gestohlen wird - sogar ein ziemlich nennenswerter Batzen Geld (N$ 70 000). Man kann sich wohl nicht daran gewöhnen, den Privatbesitz eines Mitmenschen in Ruhe zu lassen.

Dazu gehört auch der Satz, daß die Medien keine „Heilige Kuh" seien. Das sagte der Minister im Präsidentenamt, Albert Kawana. Wer je behauptet hat, daß Medien so heilig seien, konnte vor Redaktionsschluß nicht mehr festgestellt werden. Vermutlich hat niemand das gesagt, aber der Albtraum spukt in den Gängen der Regierung, die sich mit der gut funktionierenden Demokratie wohl nicht ganz anfreunden will oder kann.

Umso schöner ist es, daß der Windhoeker Karneval (schon zum 53. Mal) über die Bühne ging. Und tatsächlich immer noch über die Bühne gehen darf. Denn mit Karneval verbindet man neben Spaß auch „kulturelle Verschiedenheit" - obwohl die Narren selbst kräftig an der „Multi-Kulti"-Fete zu arbeiten scheinen.. Mit Karneval verbindet man auch kritische Satire... eben Demo-kratie.

Aber von Satire war beim Wika 2005 wenig zu hören.

Der Karneval war toll! In einer Woche kamen mindestens 5 000 Gäste zu den verschiedenen Veranstaltungen - und das ist für Windhoeker Verhältnisse sehr viel. Mit Ausnahme des Jugendkarnevals (der dennoch immer weiter wächst und schon fester Bestandteil des Karnevals ist!) gab es immer volle Säle.

Und ein zufriedenes Publikum.

Der Biwak war der größte Erfolg seit mehreren Jahren. Vielleicht kann er noch wachsen, aber welche Programmpunkte können das sonst noch? Wie will man eine Statistik auf-bessern, die mit vollem Saal schon 100 Prozent erreicht hat? So wie bei den Staudämmen, die „bis zu 110 Prozent ihres Fassungsvermögens" enthalten, geht das eben nicht...

Zum diesjährigen Wika spielten die Eschweiler Fanfaren-Trompeter auf. Wie immer: ein Genuß. Es darf im gleichen Atemzug nicht unterlassen werden, die hauseigenen Wikaphoniker lobend zu erwähnen. Auch die Tanzgruppen - und das Essen: Lob, Lob, Lob...

Im nächsten Jahr steht ein Besuch der berühmten „Räuber" aus Kölle auf dem Programm. Man sieht: die Aktiven des Komitees machen sich ernsthafte Gedanken. Ohne Fleiß kein Preis...

Gedanken muß man sich auch ständig machen - über den Nachwuchs.

Denn Satire (auch ruhig etwas Politisches) trat in diesem Jahr in den Hintergrund angesichts der Musik, Tänze und guter Vorführungen. Hoffentlich bedeutet das nicht das Ende des scharfzüngigen Bütten-redners.

Das Programm war gut. Allerdings gab es kritische Stimmen, die erklärten: „In Zukunft fahren wir zum Karneval nach Otjiwarongo; der muß ja gut sein!" Ja, der ist gut! Aber es wäre doch schade, wenn Windhoek nicht mehr ein überwiegend eigenes Programm auf die Beine stellen kann.

Los, ihr „Entertainer"!

Meldet Euch doch beim Komitee, denn die würden Euch gern engagieren. Vor allem als Bütten-redner, denn um die Garde, Musiker, Maskenball-Besucher und aktive Narren braucht man sich keine so großen Sorgen zu machen! Zum Glück!

Es müßte möglich sein, die Politik in Namibia satirisch auf den Arm zu nehmen...

Gerade im vergangenen Jahr hat sich sehr viel getan, - was dann aber nicht (genug) im Faß reflektiert wurde. Natürlich, Karneval kommt ganz gut ohne Politik aus.

Versuchen wir‘s doch trotzdem.

Wegen der Realität, eben!

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