PLUS - ein Don Quixote in Afrika

Sunday 15th of May 2005
Hans Feddersen

Als vor nunmehr 10 Jahren PLUS gegründet wurde, gab es zahlreiche Expertenmeinungen über meinen geistigen Zustand. „Der spinnt. Der ist verrückt. Der hält das keine sechs Wochen durch!" - So lauteten einige der Kommentare. Und es gab tatsächlich Zeitungen (Good News Herald, Sunday Express und irgendein Community Paper in Keetmanshoop fallen einem auf die Schnelle ein), die tatsächlich kaum zwei Monate existierten. Obwohl sie für ein paar Dollar an die Leser verkauft wurden. Zugegeben, bei dem Gedanken, ein Wochenblatt kostenlos zu verteilen, konnte einem Herausgeber leicht mulmig werden. Es gab ja so viel „Qualität" auf dem Markt Namibia, der aufgrund niedriger Leserzahlen „nicht NOCH eine Zeitung" brauchte. Man mußte schon ein wenig wahnsinnig sein. Ein Don Quixote in Afrika. Ein Spinner, der mit Hilfe der deutschen Sprache gegen Windmühlen - pardon: Zauberdoktoren - kämpfen wollte. Ohne rechtes Konzept, außer daß er sich demokratische Werten wie Meinungsfreiheit und wirklich (auch finanziell) unabhängige, selbständige Journalisten auf seine Fahne geschrieben hatte. Und die Zeitung sollte mehrsprachig sein und - gratis verteilt wer-den... Ganz nebenbei - an die Adresse aller, die dies nicht wahrhaben wollen: PLUS versucht seit zehn Jahren auch einen Beitrag zur deutschen Muttersprache in Namibia zu leisten, zur kulturellen Vielseitigkeit, besonders aber zum politischen Pluralismus (und nicht unbedingt „politically correct"). Die Politiker sollen ihre Arbeit machen; wir versuchen unserer journalistischen Aufgabe nachzukommen. Informativ, lustig, unterhaltsam. Die Zeitung gibt‘s gratis - ist die Arbeit also umsonst? Keineswegs: Nach zehn Jahren sind wir auch ein bißchen stolz darauf, wie Don Quixote von Idealen zu träumen. Inmitten einer materialistischen und allzu schnellebigen, hedonistischen Welt. Das, obwohl der Kreis der Leser - eben: das ganze Land - durch sehr unterschiedliche Interessen auseinander klafft. Vielleicht ist der Leserkreis sogar viel zu groß, denn er scheint einen Teil der möglichen Anzeigenkunden wohl wirklich nicht zu interessieren.

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