Man fühlt sich im Stich gelassen

Friday 3rd of June 2005
Hans Feddersen

Nein, hier soll es nicht um Nora Schimming-Chase gehen, die neulich im Parlament vom RP-Chef und ihrem eigenen Parteiboss schmählich im Stich gelassen wurde. Henk Mudge (RP) blätterte lustlos in einigen Unterlagen, Ben Ulenga griff auch nicht ein. Die ehemalige Botschafterin und heutige Vize-Präsidentin der CoD stand auf weiter Flur allein. So ähnlich wie die deutsch-sprachigen Namibier fallen gelassen werden... Man bedenke: zur Förderung der deutschen Muttersprache in Namibia stehen keine Mittel zur Verfügung. Aber die Rote Heidi hat tatsächlich a) den Peter Beier Preis der evangelischen Kirche in NRW bekommen (gemeinsam mit unserem Bischof Zephania Kameeta) - und b) in ihrer Dankesrede gleich noch ein I-Tüpfelchen gesetzt: Die deutsche (Noch-)Regierung stellt in den nächsten 10 Jahren insgesamt N$ 160 Millionen (20 Mio. Euro) für Versöhnung bereit. Zusätzlich zur Entwicklungshilfe... Damit sollen drei Projekte (der Herero, der Nama und der Damara) finanziert werden. Das klingt also alles ganz schön und gut. Die deutschsprachigen Namibier gucken in die Röhre. Ihre Schulen bemühen sich um Annäherung an Anderssprachige (durch neue Namen wie Delta, Namib), durch Festivals (statt der traditionellen Basare oder Feiern), durch englische Flugblätter und Reklamen in englischen Zeitungen. Durch eine Taktik, die vor wenigen Jahrzehnten undenkbar gewesen wäre. Begegnung, Kniefall, Selbstaufgabe im Namen des Fremdsprachenunterrichts und der Versöhnung. Belohnt wird die neue Haltung durch Freude über die Finanzzusage. Aber: Kann man Versöhnung kaufen? Kann die deutsche Regierung, die ein Haushaltsloch von 50 Milliarden Euro hat, solche Zusagen machen? Oder hat die Rote Heidi der Nachfolge-Mannschaft (vermutlich Schwarz-Gelb) eine Ohrfeige gegeben? Das neue Kabinett muß schließlich den Vertrag einhalten, den die heutige Noch-Ministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Ent-wicklung in verdächtiger Eile ankündigte. Aber (nochmals): Kann man Versöhnung kaufen? Und wer schützt die Deutschspra-chigen und ihre Muttersprache? In Namibia wird der Einsatz für die deutsche Muttersprache nicht mehr gewürdigt. Man fühlt sich isoliert - wie Nora Schimming-Chase. Man fühlt sich als unbequem und politisch-unkorrekt beiseite geschoben, weil es (deutsches Steuer-) Geld nur für politisch-korrekte Wiedergutmachung gibt.

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