Das dicke Ei mit dem Belgier - als PLUS zu schnell war

Sunday 19th of June 2005
Hans Feddersen

Manchmal kann man nur den Kopf schütteln. Am Donnerstag, 9. Juni um 19.54 Uhr, setzt ein belgischer Investor im Eilverfahren durch, daß der namibische Richter Annel Silungwe einigen Zeitungen bis zum 27. Juni verbietet, die Aussagen des NAFWU-Generalsekretärs Alfred Angula (Namibia Farmworkers Union) zu veröffentlichen. Man stelle sich vor: Zu diesem Zeitpunkt war das Wochenblatt PLUS schon gedruckt und per Kurierdienst unterwegs an die Küste und aufs Land. Bis heute hat uns niemand über den Maulkorb informiert. Aber man stelle sich auch vor, ein namibischer Investor in Deutschland versuche, wie Oliver van de Vijver, im Eilverfahren den Zeitungen zu verbieten, die Aussagen eines Gewerkschafts-Bosses zu zitieren! Unglaublich, was sich dieser Ausländer hier anmaßt! Und auch deshalb sind wir ganz froh, daß unsere kurze Zusammenfassung der Aussage (Titel: NAFWU erbost - Farmarbeiter schlecht bezahlt?) „das Licht der Welt erblickte". Zum einen, weil dies zeigt, daß Meldun-gen auch in Wochenzeitungen aktuell in Umlauf kommen können (wenn die Zeitungen nicht pennen). Außerdem können wir nicht aussortieren, was uns paßt und was nicht; wir wollen umfassend informieren ... und zitieren auch mal einen Kritiker, dessen Ideologie uns sonst sauer aufstößt. Der Überbringer einer Nachricht soll nun einmal nicht mit der Informationsquelle selbst verwechselt werden! Und was sollen wir machen, wenn sich herausstellt, daß eben jener Investor, der behauptet, Angulas Aussagen könnten dem Land nur schaden, wenn also dieser Investor selbst viel Dreck am Stecken hat? Tja, was dann?

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