Zur Lage der Nation

Thursday 3rd of April 2003
Hans Feddersen

Die Rede des Präsidenten zur Lage der Nation machte deutlich, daß sich hier im vergangenen Jahr nichts geändert hat. Friede, Freude, Eierkuchen. Wir leben noch. Und der vielleicht einzige Unterschied zum Vorjahr ist, daß der Präsident etwas länger referierte. Etwas einschläfernd eintönig. Das kann aber auch daran liegen, daß man schnell müde wurde, sein monotones Ondangwa-Englisch zu verstehen. Da wimmelte es nur so von „vists" statt „visits" und von „fickas" statt „figures". Nun, seien wir froh, daß die Rede zur Lage der Nation nicht so dramatisch ist wie in Washington oder in Berlin.

Man sollte sich einmal Folgendes überlegen: Deutschland nimmt zwar nicht am Krieg teil, rüstet emotional aber ganz stark auf. Nachrichtensprecher wünschen eine „hoffentlich friedliche Nacht". Die Seifenopern haben eine Kriegs- und eine Friedensversion... Man hat das Gefühl, als spiele sich die Katastrophe, die Politiker um Bush herauf beschworen haben und nun verantworten müssen, in Deutschland ab. Nicht so in Namibia: Hier werden wir hoffentlich vernünftig genug sein, zu beherzigen, daß alle in einem Boot sitzen und daß wir schon deshalb akzeptable Lösungen unserer großen Probleme anstreben sollten.

In dieser Lage ruft unser Staatsoberhaupt zu Zusammenarbeit und gemeinsamer Konfliktlösung auf. Bravo! In den gesamten 90 Minuten hat er nicht einmal seine „Achse des Bösen" angegriffen (Kolonialisten, Buren und Farmer). Vielleicht ist er zur Einsicht gekommen. Vielleicht ist er auch einfach müde. Vielleicht hat er auch eingesehen, daß nicht jeder, der den Unabhängigkeitsfeiern fern bleibt, gegen die nationale Unabhängigkeit ist. Wie gesagt: Friede, Freude, Eierkuchen

Nur Skeptiker werden fragen, ob dies die Ruhe vor dem nächsten Sturm ist. Schließlich war es auch ruhig, bevor Nujoma in Südafrika die westliche Welt aufforderte, ihr „Geld zu behalten". Und bevor er Thomas Knemeyer sein berühmtes Interview gab. Auch vor dem Interview mit Frauke Röschlau war Ruhe... Also wer sorgt für die nächste Explosion?

Grund genug dürfte es geben. Denn obwohl die Rede zur Lage der Nation sehr, sehr positiv und fortschrittlichen Inhalts war, es gibt Pulverfässer und Landminen in Namibia: Warum wohl ging der Präsident nicht auf die hohen Schulden der Air Namibia, New Era, NBC, Windhoek Country Club & Resort ein? Und wie ernst müssen wir die schönen Worte über den Kampf gegen Korruption nehmen, wenn eines Tages tatsächlich nur noch Beamte mit dem richtigen Parteibuch angestellt werden? Der Staatschef lobte die Regierung und rückte sogar den Heldenacker nochmals in das Rampenlicht. Aber über Ausgaben, die für das Staatshaus bewilligt werden, sprach er nicht.

Fragen über Fragen...

Hoffentlich ist der Chef nicht so schnell wieder gereizt. Hoffentlich übersteht er den Windhoeker Karneval so humorvoll und gut wie die Windhoeker Narren...

Damit zurück zur Tagesordnung.

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