Weiter so, Herr Präsident!

Sunday 17th of July 2005
Hans Feddersen

Es war einmal - hinter den sieben Bergen - ein Staat, der bis zum bitteren Ende die Rassentrennung gesetz-lich festlegte. Und ange-sichts der „Swart Ge-vaar" und der allgemeinen globalen Lage (genannt: „Kalter Krieg") diese sogar vehement vertei-digte. Apartheid, so hieß das Modell, das von den Theologen auch mit Stellen aus der Bibel untermauert wurde.

Weshalb Spötter die „Dutch Reformed" Kirche (NG) übermütig auch „much deformed" nannten.

Niemand konnte sich wirklich wun-dern, daß der Gründerpräsident des namibischen Staates sich trotz mehr-facher Einladungen - wie man jetzt hört - nicht erniedrigte, eine NG Kirche von innen zu betrachten. Schon gar nicht während eines Gottesdien-stes. Und dann auch noch ausdrücklich eines afrikaansen Gottesdienstes.

Nun hat Namibia einen neuen Präsi-denten. Und der ist anders!

Dieser sollte angeblich nur eine Marionette des Vorgängers sein. Aber das scheint kaum der Wahrheit zu entsprechen, wenn man ihn etwas genauer unter die Lupe nimmt.

Denn Hifikepunye Pohamba wird am Vormittag des 17. Juli den Gottes-dienst in der NG Kirche Eros besuchen. Wo die Spitze der Kirchenführer auf-tritt. Und sie werden ihm ein Strau-ßenei als symbolträchtiges Geschenk überreichen.

Pohamba ist „bekennender Christ.

Ein kleiner Schritt für einen politischen Opportunisten, mag man denken.

Aber es ist ein riesen-großer Schritt für einen Präsidenten, der damit sämtliche ideologischen Vorurteile (seines Vor-gängers?) hinter sich läßt. Ein Schritt zu echter Ver-söhnung. Und nicht aus Solidarität.

Wer wird nach diesem Besuch im Gottesdienst der „sturen Buren" noch erwarten, daß die Oppositionsparteien (allen voran die RP von Henk Mudge) noch auf Biegen und Brechen Neuwahlen fordern wird? Erinnern wir uns: Wir sind doch betrogen worden, oder...?

Das ist Schnee von gestern.

Heute sind wir froh, daß Pohamba uns in mancher Hinsicht überrascht. Er ruft niemanden zum Volksdienst an der Eisenbahn auf! Er hat die Sirenen seiner motorisierten Begleitung auf „ganz leise" reduziert. Man fragt sich, ob es diese Eskorte noch gibt, so „klein" ist sie geworden.

Und er hat zwei Oppositionspolitiker mitgenommen zum Staatsbesuch in Mosambik. Und er flog mit dem Linienflug der Air Namibia...

Solche Überraschungen hat wohl nie-mand von „Nujomas Augapfel" erwartet! Das fing mit der Rede zum Kampf gegen Korruption und Armut an.... - Aber angesichts der Lage in Simbabwe dürfen wir mit der Regie-rung. Pohamba bisher sehr zufrieden sein.

Sonntag, der 17. Juli, wird ein neuer Höhepunkt - ein echter Schritt zur Versöhnung - sein.

Wir sind geneigt, den Hut zu ziehen! Weiter so, Herr Präsident!

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