Keine Knete - aber ne tolle Fete

Sunday 11th of September 2005
Hans Feddersen

unächst einige allgemeine Bemer-kungen: Die Solidarität der Narren (vor allem aus Swakopmund, aber auch aus Windhoek und Otji-warongo) ist erstaunlich. In Lüderitz gehören Büttenredner aus Swakopmund (wie Putzi Güther) und Windhoek schon zum Inventar. Und auch in diesem Jahr durfte die Garde des Wika nicht fehlen. Doch nicht nur die Beiträge zum offiziellen Programm sollen hier erwähnt sein: Die Tatsache, daß Swakopmunder Narren gleich in drei Flugzeugen nach Lüderitz kommen, ist schon fast selbstver-ständlich geworden. Lobenswert sollte man erwähnen, daß die Küska-Narren in bunten Kostümen am Straßenumzug teilnehmen - wie auch die Windhoeker Garde. Das trägt zum stimmungsvollen Bild bei!

Es hat sich eingebürgert, daß das Prinzenpaar in einem kurzen Pro-gramm am Freitagabend (Einkehr) gekrönt wird. Schon dieser Abend sorgt für tolle Stimmung, die bis zum Kehraus im Yachtklub anhält. In diesem Jahr kam es anschließend leider zu einem bösen Vorfall, der die Stimmung beim Straßenumzug jedoch nur geringfügig dämpfen konnte: Bei der Wika-Garde wurde eingebrochen! Kurz nachdem sie schlafen gegangen waren, krochen zwei jugendliche Geister zwischen den Betten umher. Sie ließen Handys, Geld, Turnschuhe und Schmuck mitgehen. - Am frühen Samstagmorgen erfuhr Fritz Küstner, der den Bus begleitet hatte, daß man in seiner Abwesenheit auch in dessen Wind-hoeker Wohnung eingebrochen war.

Straßenumzug und Schlüsselübergabe

Der Straßenumzug machte dem Motto („Keine Knete, aber ‘ne Fete") alle Ehre. So hatte sich der Wagen der ACE-Schule dieses Motto sehr zu Herzen genommen: Mit Squatter-Siedlung auf dem Wagen, Wäscheleine inklusive - Armut pur - ABER: die Potjiekos-Party war nicht zu übersehen. Prompt erhielt die Schule den ersten Preis.

Einfallsreich war auch der Wagen der FNB; Manager Carlos Jose Madeiros verteilte als Zeitungsjunge die „News" - und anschließend gab es ein Braai vor der Bank.

Der neue Bürgermeister George Shi-maneni hatte andere Verpflichtungen, aber Emilia Amupewa ließ es sich nicht nehmen, den Schlüssel der Stadt „ohne Bedingungen" (wie sich der Vorsitzende Manfred Laborn aus-drückte) zu überreichen. In einer humorvollen Rede betonte Amupewa den Wert der Tradition - und wie stolz Lüderitz auf seinen Karneval sein darf.

Der Kinderkarneval war vermutlich der Höhepunkt im Jahresprogramm der Kleinen! Kostümiert hatte die Schar schon am Umzug teilgenommen; jetzt konnte sie sich richtig austoben. Allen voran Prinzessin Natalie (Gilham) und Prinz Jean (de Villiers). Allerdings ist vom Baby-Boom der 80er Jahre nicht mehr viel zu spüren; 1987 wurden in Lüderitz 180 Geburten verzeichnet, heute: ?????

Und dann der Büttenabend: Das Publikum (rund 180 Leute, obwohl einige in den Urlaub gefahren waren) brauchte gar nicht lange eingeheizt zu werden. Um 20.11 Uhr kochte der ganze Saal - und die Chefin des Protokolls (Marion Schelkle) hatte ein leichtes Spiel als Eisbrecher! Ihre Sparmaßnahmen kamen gut an! Wie gesagt: Keine Knete, aber ‘ne Fete!!! An Fete mangelte es den ganzen Abend lang nicht!

Crispin Clay, (the bald, bearded, bespectacled, baladeering bottle store Owner of Bismarck Street) wird von Jahr zu Jahr besser. Sein Lokalkolorit, in feinsten englischen Humor verpackt, ist einmalig. Der Refrain (Vogelsang should be hung for what he dropped us into) ist ebenso Teil seiner Satire geworden wie die Schlußzeilen, wonach „it‘s Walvis Bay that sucks!!"

Eine Bereicherung des Abends war Madame Gisela, die „Opernsängerin" von Lüderitz (Karen Mackay hat un-wahrscheinliches Talent)! Dabei hatte der Zufall bei der Entdeckung eine große Rolle gespielt: Gisela gehörte zum Team, das den Saal schmücken half. Ganz hervorragend z.B die Deko-ration mit den beiden Wasserhähnen, aus denen keine Münzen mehr tröpfeln! Während der Saal geschmückt wurde, gab es immer mehr Spaß, bis - Karen schließlich am Büttenprogramm teilnahm.

Der Affirmative Action Professor (AAP, Hans Feddersen) versuchte in seiner akademischen, aber recht verwirrenden Vorlesung, zu erklären, wo denn nun das ganze Geld geblieben ist, bevor die Wika-Garde zum ersten Mal (mit dem Cowboy-Tanz) auftrat.

Nach der Pause trug das Prinzenpaar seine Sparmaßnahmen vor und Heinzi Schulte (vom Küska) referierte über die wichtigsten Erfahrungen aus dem Liebesleben.

Ein kleiner Abstecher: Während der Leserreise nach St Helena gab es auf dem Schiff abends ein interessantes Unterhaltungsprogramm. Das wurde von Marion Schelkle genauestens beobachtet - und so kam „Das Pissoir" (ein öffentliches Klo in Frankreich) bis ins Büttenprogramm nach Lüderitz. Manfred Kratz und Jason Burgess erwiesen sich als hervorragende Künstler in dieser Mimik, die die Probleme eines Mannes ohne Arme am Pissoir darstellt. „Mannetjie" Kratz sollte durchaus öfter in die Bütt!

Der zweite Auftritt der Wika-Garde, verstärkt durch Birgit Becker und Prinzessin Anuschka, zu „My Boy Lollipop" begeisterte das Publikum, bevor Putzi Güther klangvoll seine Erlebnisse als Diamantenschmuggler/ Fischer zum besten gab.

Ein runder Abend, mit dem auch die Veranstalter rundum zufrieden sein durften! Es wurde bis in die frühen Morgenstunden gefeiert - und der Leidtragende war der Yachtklub, der sich zum Kehraus alle erdenkliche Mühe gegeben hatte: alle Narren waren recht müde und die Auswärtigen „verließen Lüderitz zu früh" - als sie die langen Heimreisen antraten.

Fazit: Wenn es immer so gut läuft, warum gibt‘s den Lüka dann nur alle zwei Jahre?

back
 

Plus online by Plus Weekly
Publisher: Feddersen Publications cc.
email : info@namibiaplus.com
Tel: +264 (0)61 233635
Fax: +264 (0)61 230478
P.O.Box 21506
Windhoek
Namibia