Wer dirigiert Paulus Kapia?

Friday 23rd of September 2005
Hans Feddersen

Wir können nur noch nach Luft schnappen. So sehr werden wir in Atem gehalten.

Was ist in der schönen Demokratie Deutschlands los? Wer versteht überhaupt noch das Ge-zerre um die Macht, die Arroganz eines Kanzlers und das Gerede von besserer Lebensqualität?

Was sich in Deutschland abspielt, kann schwer verdaut werden. Hat die Demokratie versagt?

Dabei vergessen wir allerdings ziemlich schnell, wie prekär die Lage derzeit in Namibia ist.

Swapo hatte beschlossen, daß der Ex-Vizeminister Paulus Kapia, der in das Verschwinden von N$ 30 Millionen verstrickt sein soll, nicht mehr im Namen der Partei auftritt, Er wurde jedoch noch nicht schuldig befunden. Und so kann die Partei nichts dagegen tun, wenn dieser Vertreter Kapia im Parlament erscheint.

Ist die Partei stark genug, sich gegen Kapia durchzusetzen? Sie darf ihn nicht als Partei-Mitglied verbannen, solange seine Schuld nicht erwiesen ist. Die Partei hat ja nicht einmal Geingob oder Hamutenya ausgeschlossen, obwohl sie ihre hohen Ämter zur Verfügung stellen mußten.

Daß Kapia von allen Aktivitäten der Partei ausgeschjlossen wurde, ist kein Grund, den Sitz im Parlament aufzugeben.

Wenn Kapia den Sitz nicht freiwillig räumt - oder zehn aufeinanderfolgende Tage ohne plausible Entschuldigung fehlt -, kann ihn die Partei ausschließen. Aber diesen drastischen Schritt will die Partei wohl nicht erzwingen. Dennoch ist man in höchsten Parteikreisen überzeugt, daß Kapia den Sitz räumen wird...

Einfach so?

Es hat einige „rote" Gesichter gegeben, als das Parlament am Dienstag zusammen trat.

Auf der Parteiliste stehen in der Reihenfolge der nächsten Plätze: Hidipo Hamutenya und Clara Bohitile. Beide waren bis zuletzt nicht offiziell informiert worden.

Und dann geschah es: Kapia tauchte unerwartet im Parlament auf!

Wo war plötzlich die Stärke der Partei?

Was soll Swapo gegen Kapia unternehmen? Fürchtet sie dessen Anhänger? Oder hat die Partei etwa Angst, daß sie wegen des Aus-schlusses von einem Mitglied als „völlig unethisch" in die Kritik geraten könnte.

Die Mühlen mahlen allerdings sehr langsam. Und deshalb werden die Untersuchungen des Falles Kapia nicht schnell abgeschlossen werden.

Soll Swapo den Avid-Direktor Kapia gewähren lassen? Oder sind die Hände so sehr gebunden, daß die Partei schon deshalb zur Untätigkeit verdammt ist? Mit anderen Worten: Wer hat denn wohl noch Dreck am Stecken und fürchtet Kapias weiteres Vorgehen?

Nur so kann man sich erklären, daß Kapia die ganze Partei vorführt. Er weiß vermutlich über einige Kontakt-personen Bescheid, die ihn im Gegenzug dulden.

Damit aber hat der Skandal um die Gelder der Social Security Commis-sion ein Ergebnis aufgezeigt, mit dem wohl niemand gerechnet hatte: Es ist gar nicht so einfach, ein Partei-mitglied zu beseitigen, das über den elitären Kreis der Parteispitze zu viel weiß.

Und das bedeutet wiederum, daß Avid noch nicht das Ende der Fahnenstange ist!

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