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Saturday 12th of April 2003 Die Osterzeit ist gewöhnlich die schönste Jahreszeit in Namibia. Der größte Teil des Regens ist gefallen, die Buschwelt ist grün und sanfte Grasteppiche wiegen sich im Wind. Fällt das Fest in den März, sind oft noch Morgensternfelder in der Natur zu entdecken. Es zieht die Städter hinaus ins Grüne und traditionell sind viele Namibier Ostern unterwegs – ,,auf Pad" – und machen eine Campingtour, besuchen Verwandte oder Freunde auf der Farm, mit Osterhasen und Schokoladeneiern für die lieben Kleinen im Gepäck. Das Verstecken von Ostereiern und anderen Süßigkeiten in der freien Natur, ob Namib, Kalahari oder im Kaokoland ist oft viel spannender als im heimischen Garten. Wenn der warme Ostwind überraschend zu Ostern die Küste erreicht und die Naschereien zum Schmelzen zu bringen droht, haben schon mehrere Generationen von Müttern die Schokohasen ins rettende Kühlfach verbannen müssen. Osterhasen aus Schokolade wandern auch in den hohen Norden, erreichen bisweilen sogar das Kaokoland. Einige Exemplare aus Namibias bekannter und einzigen Schokoladenfabrik schafften es vor einigen Jahren bis auf das Regal einer großen Kühlanlage im Supermarkt von Opuwo. Der Kundenkreis blieb begrenzt, es wurde Mai und noch immer standen einige Schokohasen im goldenen Stanniolgewand und warteten darauf, daß sie gekauft, geköpft, gevierteilt und aufgegessen wurden. Ich war mit einem bekannten Swakopmunder Safariunternehmer, dessen erwachsenen Sohn und dem legendären Willi Bönnen im Kaokoland unterwegs. Es war Juni und bitterkalt. Nach zehn Tagen Busch, Wind, Kälte und rutschigen Allradwegen wirkte Opuwo auf uns wie eine Metropole. Ulf und ich hatten Entzuge-serscheinungen – uns fehlte Schokolade! Während die Männer die Wagen volltankten, raste ich in den Supermarket und suchte Schokolade. Es war nichts zu finden, die große Enttäuschung ließ den Magen fast flau werden. Da stand er plötzlich im grellen Licht auf dem Regal, einsam und verlassen - der letzte Osterhase von Kaokoland - und blickte mich an. Ich packte ihn triumphierend, er war etwa 20 cm hoch, ein kapitaler Bursche und nahm ihn mit an die Kasse. Das Grinsen der Kassiererin war mir egal. Sollte sie doch froh sein, daß ihr jemand den Osterhasen im Juni zum vollen Preis abkaufte. ,,Wie teilen wir den jetzt am besten – längs oder quer?" war unser größtes Problem während der nächsten Kilometer. An spöttischen Ratschlägen für uns ,,Süchtige" fehlte es nicht. Ich einigte mich mit Ulf auf ,,Querschnitte" mit unseren Taschenmessern. Wir fingen an den Ohren an und sezierten den Schokohasen Stück für Stück so gerecht wie möglich. Er war in kürzester Zeit aufgegessen, bis nur noch Krümel und zusammengedrücktes Stanniolpapier von ihm übrig waren. Das war ein genußvoller nachösterlicher Schokoladenhasen-verzehr! Ob ich denn nicht das letzte Halali für den Hasen blasen wollte, also Hasentod, fragte Karlheinz, der am Steuer saß. Die Stanniolkugel traf ihn am Ohr. |
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