Vielleicht löst der Regen den ethnischen Konflikt

Sunday 23rd of October 2005
Hans Feddersen

Möge es doch endlich regnen! Und zwar zuerst im Nordosten unseres Landes, denn dort schwelt fast jährlich ein ethnischer Konflikt. Sobald die eigenen Weideflächen abgegrast sind, zieht es Ovambo-sprachige Farmer (Kwanyama und Ndonga) mit ihrem Vieh in Teile des westlichen Kavango (Rukwangali-Gebiet).

Die Stammesbehörde beschwert sich ständig darüber, daß duiese Nomaden seit 1992 regelmäßig und illegal in ihr Weidegebiet eindringen. Die ovambo-sprachigen Hirten der Herden, die zum Teil hohen Politikern gehören, berufen sich auf ihr Verfassungsrecht der Bewegungs-freiheit...

In ihrem Stammesgebiet haben reiche Farmer den Zugang zu saftigen Wei-den durch Zäune verwehrt, behaupten die Nomaden. Der Konflikt im westlichen Kavango führte bereits dazu, daß am vergangenen Wochen-ende Brunnen mit Steinen und Hölzern gefüllt wurden und fünf Kraals voll-ständig abgebrannt wurden. Eine eng-lische Tageszeitung listete mehrere Vorfälle seit 2002 auf und zitierte einen Stammeshäuptling, der den Ärger seit 1946 darstellte: Damals habe man den Ovambo bereits ein Areal von 50km x 200 km kostenlos zur Verfügung gestellt. Warum also „wollen die Fremden uns jetzt schon wieder Weideland stehlen?"

Die Gesellschaft für Menschenrechte in Namibia (NGfM unter Phil ya Nangoloh) forderte eine sofortige, persönliche Intervention des neuen Präsidenten Pohamba, denn der Konflikt nehme seit 1990 immer schärfere For-men an. Die NGfM beobachtet die „tief ver-wurzelte Unzufrie-denheit" seit mindestens 12 Jahren. Sie habe wiederholt um eine Lösung seitens der Regierung gebeten, aber bisher seien solche Bitten auf taube Ohren gefallen. Im Gegenteil: hochrangige Politiker nehmen sogar aggressiv am Konflikt teil.

Hier geht es um einen Konflikt, der auf der ständig wachsenden Wüste beruht und durch traditionelle Weidegründe und Stammesdenken zusätzlich geschört wird. Die Suche nach Weide und Wasser könnte symptomatisch für eine Welt werden , in der Wasser immer knapper wird. Wir ahnen es geradezu voraus: Die zukünftigen Kriege werden um Energiequellen und Wasser geführt!

In Namibia hat die Regierung eine Chance, den Konflikt endlich auch gründlich (und grundsätzlich) friedlich zu lösen. Und zwar, bevor es regnet, denn der Regen hat den Ärger immer nur um höchstens ein Jahr verschoben - und dann brodelte es schlimmer als zuvor. Die fried-liche Lösung wird nicht einfach sein: Es bedarf einer Erklärung, warum Bewegungsfreiheit im Falle der Stammesgebiete eingeschränkt sein soll... Das soll jemand mal den Nomaden erklären. - Inzwischen dürfen wir in den Städten nicht glau-ben, daß uns solche Konfliktsitua-tionen nichts angehen, weil sie sich „ganz schön weit weg" zutragen.

back
 

Plus online by Plus Weekly
Publisher: Feddersen Publications cc.
email : info@namibiaplus.com
Tel: +264 (0)61 233635
Fax: +264 (0)61 230478
P.O.Box 21506
Windhoek
Namibia