Pohamba besucht Staatspalast

Saturday 29th of October 2005
Hans Feddersen

Präsident Hifikepunye Pohamba machte bei Betrachtung des neuen „Staats-Pontoks" nicht den Eindruck, als wolle er diesen Palast sofort in sein Herz schließen. Kritische Journalisten meinten, er sei wenig begeistert gewesen. Und man dürfe spekulieren, ob er über-haupt mit dem Pomp einverstanden sei.

Nun, noch am gestrigen Donnerstag wird Pohamba zitiert: Wann auch immer im Ausland auf Reisen war, habe er sich geschämt, daß Namibia den dortigen „nationalen Guthaben" nichts entgegen setzen könne. Er habe deshalb schon mehrfach von einem Staatspalast geträumt, der im Vergleich mit anderen berühmten Gebäuden (Weißes Haus, Schlössern) nicht schlecht abschneide.

Wir sind beim alten Thema zurück. Die USA haben ihr Weißes Haus und andere riesige Gebäude. Aber dort hat auch jeder eine Arbeit, die Luftwaffe verfügt über die modernsten Bomber, die Marine über Flugzeugträger. Eigentlich hat Amerika schon alles. Auch Schulden. Man kann sich das leisten.

In Namibia müßte das 10. Gebot gelten: Man soll nicht begehren, ...

Anders Namibia: Hier gehen fast am selben Tag, wo sich Pohamba den neuen Prunkbau (Kosten: N$ 550 Millionen. Sagt Man. Bisher.) an-schaut, hunderte Rentner auf die Straße. Sie fordern höhere Renten: Mit den derzeitigen N$ 300 im Monat können sie ja kaum Wasser und Strom bezahlen....

Aber hier geht es um ein Kernproblem der namibischen Gesell-schaft. Die Taxifahrer, die Beamten, die Politiker, die Lehrer, niemand kommt mit seinem Monatsgehalt über die Runden. Oft genug versammeln sich irgendwelche Interes-sengruppen auf der Straße. Zwecks Demon-stration.

Statt sich um Personenkult - bis hin zum autobiografischen Film und dem „unbekannten Soldaten" des Helden-ackers zu kümmern; statt teure Paläste bauen zu lassen, hätte schon Pohambas Vorgänger für Arbeits-plätze sorgen müssen. Denn darin liegt die Lösung - auch für die Rentner: Wenn die Bevölkerung je die Möglichkeit gehabt hätte, sich durch ehrliche und harte Arbeit ein tägliches Brot zu verdienen - und noch einen kleinen Betrag zum Sparen abzuzweigen (oder anzu-legen), dann würde niemand über Verschwendung staatlicher Finanzen klagen. Im Gegenteil: Man würde über Großprojekte der Macht-hungrigen höchstens schmunzeln.

Pohamba wird mit Argusaugen beob-achtet. Tritt er irgendwie anders auf als sein berühmter Vorgänger?

Und dann fällt dem Beobachter auf, daß der „wirklich starke Mann" vielleicht doch noch Ex-Präsident und Noch-Parteichef Nujopma ist.

Übrigens: Es gibt Regierungsbüros, in denen nur der „Alte" an der Wand hängt.

Als offizielles Bild, versteht sich!

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