Versöhnung mit der Vergangenheit

Friday 4th of November 2005
Brigitte Weidlich

Rund 4000 zumeist Nama-sprechende Namibier pilgerten nach Gibeon im Süden des Landes um den 100. Todestag von Hendrik Witbooi zu gedenken. Er fiel während eines Gefechts mit deut-schen Soldaten der Schutztruppe am 29. Oktober 1905. Ein festlicher Um-zug mit 80 Reitern, deren Hüte mit den charakteristisch-weißen Tüchern umwickelt waren, Schulkindern und Frauen in Nama-Tracht wurde von der Blaskapelle der NDF angeführt.

Die Gäste begaben sich dann zum Ufer des Fischflusses, wo die Reiter das letzte Gefecht von Witbooi nachspiel-ten. Genau um 11h00, dem Moment, an dem der Nama-Führer vor 100 Jahren verstarb, wurden Salutschüsse abgefeuert, während die Nama das Witbooi-Lied sangen.

Unter den Ehrengästen waren der deutsche Botschafter Dr. Wolfgang Massing mit Gattin, Parlaments-präsident Theo-Ben Gurirab, und der Herero-Führer David Kambazembi.

Der anschließende Festakt fand oben auf dem Berg des nördlichen Teils von Gibeon statt, wo der jetzige Stammes-führer und Pastor Hendrik Witbooi seinen Amtssitz hat. Witbooi ist ein Urenkel des prominenten Nama und war außerdem mehrere Jahre Minister, bevor er 5 Jahre lang stellvertretender Premierminister wurde.

An dem Wochenende wurde auch eine kleine, aber liebevoll gestaltete Ge-denkausstellung eröffnet, die unter der Anleitung von Dr. Jeremy Sylvester von arbeitslosen Jugendlichen des Ortes ausgeführt wurde.

Dr. Massing konnte Witbooi Kopien einiger kürzlich wiederentdeckten Ori-ginalbriefe seines Vorfahren überrei-chen, die von der Bundesregierung einer Privatperson in Deutschland abgekauft wurden. Die Originale sind seit kurzem im Nationalarchiv in Windhoek. „Die-se Briefe sind als Zeichen der Versöh-nung zu verstehen", sagte Massing.

Theo-Ben Gurirab rief dann allerdings die Bundesregierung auf, ihre „noch nicht beendete Periode der Kolonial-zeit" (unfinished business) endgültig abzuschließen. Damit deutete er auf Entschädigung hin. Der in Aussicht gestellt Dialog sollte mit den während der Kolonialzeit betroffenen Bevölke-rungsgruppen und Berlin geführt werden.

Witbooi selber hatte in seinem Grußwort für die Festschrift verlangt, daß Deutschland ,,Wiedergutmachung" leisten sollte. In seiner Ansprache am Samstagabend drückte er nur die Hoffnung aus, daß die ehemalige Kolonialmacht betroffenen Völkern Unterstützung gewähren würde.

Nach dem offiziellen Teil wurden dann von vielen Gruppen Volkstänze vorge-führt. - Am Sonntagmorgen gab es einen Gedenkgottesdienst an den Gräbern der verstorbenen Stammesführer mit Gebet, Gesang und weiteren Salutschüssen.

Vom alten Hendrik Witbooi gibt es kein Grab, er wurde damals von seinen Männer an einem Ort nicht weit von dem Gefecht bei Vaalgras beerdigt. Sie nahmen ihr Geheimnis, wo Witbooi in der Erde ruht, mit in den Tod.

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