Absurdes Theater

Saturday 12th of November 2005
Hans Feddersen

Der Zorn auf PLUS und/oder den Herausgeber kann seltsame Blüten treiben. Von Toleranz und Demokratie bleiben nur groteske Ruinen übrig. Solange man einen vermeintlichen Sündenbock beschimpfen kann... So hat ein Kreis deutschsprachiger Schreiberlinge (allerdings ohne journalistische Erfahrung) gerade ein Buch veröffentlicht, das sich gern als Maßstab namibischer Literatur verstehen würde. - Aber uns wird ein Maulkorb verpaßt: denn man „wünscht keine Rezension in der PLUS"! Das Buch ist öffentlich. In Buchhandlungen erhältlich. Jeder kann es erwerben und lesen. Nur bitte keine Rezension in der Wochenzeitung! Wo gibt es denn das, daß ein Autor beschließen kann, in welcher Zeitung sein Werk beurteilt werden darf? Seit wann können Möchtegern-ZensorInnen bestimmen, was in einer Zeitung erscheinen darf und was nicht? Wieviele höchst-qualifizierte Chefredakteure gibt es eigentlich plötzlich in Namibia (die dann nichts weniger als den freiwilligen Selbstmord des einen „von der bösen PLUS" verlangen? Woher kommt diese diskriminierende Selektivität überhaupt? Doch nicht etwa von zivilisierten Moralisten? So als wünsche Klinsmann kein Interview mit dem „Kicker" oder Günter Grass möchte nicht im „Spiegel" rezensiert werden. Welch eine Anmaßung! Dabei sind Klins-mann und Grass immerhin schon bekannt, was unsere zukünftigen Nobelpreisträger doch erst werden möchten. - Aber nun wollen sie sich selbst ins Abseits stellen. „Bitte keine Rezension in der PLUS" - Das ist nicht mehr lächerlich, sondern geradezu peinlich. - Es gab eine Zeit, da wurden „Hexen" auf dem Scheiterhaufen verbrannt (häufig völlig unschuldig). Ach, erst vor etwa 70 Jahren durfte ein Volk nicht bei Angehörigen einer religiösen Gemeinschaft kaufen, deren Bücher sogar verbrannt wurden... Die modernen Methoden haben (trotz aller Demokratie) viel Ähnlichkeit mit damals... Möchten die Autoren nicht gleich noch festlegen, wer ihr Buch kaufen darf und wer nicht???

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