Der Bruderkonflikt im Norden

Friday 25th of November 2005
Hans Feddersen

Im Norden brodelt es weiter. Die ovambo-sprachigen „Farmer" - eigentlich Nomaden -, die mit ihrem Vieh in den westlichen Kavango eindrangen, sind trotz der Verordnungen von Präsident Pohamba und der entsprechenden Aufrufe der Polizei noch nicht abgezogen. Sie fordern jetzt Weideland im Bereich der traditionellen Ondonga- und Oukwanyama-Stämme. Und dann folgt das Ultimatum: „Wenn wir kein Weideland bekommen, werden wir hier kämpfen bis zum Tode... unsere Skelette können zu jenen unserer Brüder beim Militärlager Eenhana hinzugefügt werden".

Angeblich können die Viehherden (es soll sich um bis zu 60 000 Tiere handeln) nicht zurück, weil im „Ovambo-Gebiet" inzwischen Zäune die Bewegungsfreiheit einschränken.

Am Mittwoch kam es zu einer Demonstration der rund 400 Farmer, die dem CEO des Omuthiya-Bezirks eine Petition überreichten. Darin betonen die Nomaden, daß sie legal nach Kavango gekommen seien und nicht „illegal, wie man heute so gern behauptet".

Man braucht kein Hellseher zu sein, um zu erkennen, daß die Rinderherden das Kavango-Gebiet eben nicht bis zum morgigen Samstag verlassen werden. So lautete das vorläufig letzte Ulti-matum am vergangenen Samstag.

Als Bürger Namibias muß man sich über den schwelenden Konflikt Sorgen machen. Der erste Präsident und „Gründungsvater der Nation" hat in den vergangenen Jahren nichts Nennenswertes gegen die Nomaden und die Ursache der Treks (Einzäunungen im Oukwanyama - und On-donga-Gebiet) unter-nommen. Nun hört man von Wasserstellen, die bereits zerstört wurden. Und von Kavango-Bürgern, die sich mit Maschinengewehren bedrohlich nahe an die Hirten/ Farmer wagen., um sie einzuschüchtern. Ein Farmer berichtete, daß man mit Pfeil und Bogen vier seiner Rinder getötet habe.

Erinnern wir uns: Nach Abschaffung der Apartheid möchte man in Namibia von Stammesdenken und ethnischen Gruppen am liebsten nichts hören. Der Konflikt im Nordosten hat aber einige Zutaten eines Rassenkonflikts. Deshalb hofft man - als guter Demokrat im unab-hängigen Namibia -, daß sich in möglichst kurzer Zeit eine Lösung anbahnt. Die betroffenen Nomaden boten an, sich in zwei Quarantäne-Gebiete zurückzuziehen.

Aber nach Hause wollen sie nicht mehr. Zumal dort alles abgeweidet ist und es auch noch nicht geregnet hat.

Rein politisch wäre zu befürchten, daß sich hier zwei Gruppen gegen einander aufwiegeln, wo es doch keine ethnischen Konflikte geben soll.

Fragwürdig ist aber auch die Rolle des Mangetti Farmervereins, der sich auf Wunsch der Nomaden um eine Lösung bemühen sollte.

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