Neujahrswünsche an Pohamba

Tuesday 24th of January 2006
Hans Feddersen

Im Trubel der Weih-nachts- und Urlaubszeit ist vermutlich untergegan-gen, daß Joseph Diescho am 22. Dezember eine sehr gute Analyse der politischen Situation in Namibia veröffentlichte. Dabei geht es ihm um die Frage, wer denn nun das Sagen im Lande habe, Nujoma oder Pohamba. Diescho zeigt auf, daß Pohamba zwar gut gestartet sei, dann aber schnell wieder die Initiative verlor.

Das Kabinett bestehe aus alten Kämpen (durchschnittlich 10 - 16 Jahre im Amt), denen es nicht um den Dienst an der Gesellschaft geht, sondern um den Eindruck, den sie auf den Präsidenten/ die Partei machen können. Das führt oft dazu, daß sie die Volksmeinung vom Präsidenten fernhalten und als gute Ratgeber glänzen wollen.

Dabei habe Pohamba die Chance gehabt, das Kabinett auf weniger Posten mit fähigen Leuten zu besetzen.

Deutschland (mit 80 Millionen Einwohnern) habe 13 Minister, Botswana (rund 2 Millionen) habe 14 Minister. Äthiopien (76 Millionen) komme mit 20 Ministern aus - und kann sich auch nicht mehr leisten). Südafrika (45 Millionen) habe 27 Minister - und Namibia (2 Millionen) habe 27 Minister... Die Ironie: Im ersten Kabinett unter Nujoma hatten wir 18 Minister.

Man kann dem Präsidenten für 2006 nur ein glückliches Händchen wün-schen. Weniger „recycled" Minister der alten Garde, dafür aber mehr Sparmaßnahmen, sonst glaubt uns die Welt bald nicht mehr, daß wir als armes Land unbedingt Entwicklungs-hilfe brauchen. Es gibt viele Mög-lichkeiten zu sparen..

Eine davon dürfte auch sein, daß man nicht zu jedem Abflug und bei jeder Rückkehr sämtliche Kabinettsmit-glieder und sogar Aus-landsvertretungen am Flughafen antreten läßt...

Wir erleben leider oft Dinge, die Geld kosten - und doch nur den Eindruck einer „Bana-nenrepublik" erwecken.

In diesem Jahr darf man auch gespannt sein, wer sich als Staatschef durchsetzt. Als Partei-chef hat Nujoma vielfach das Sagen. Pohamba ist eher „Vizepräsident der Swapo" als daß er ein Land führt. Dabei wurde er doch von der gesamten Bevölkerung (mehrheitlich) gewählt - nicht nur von einer regie-renden Partei. Pohamba darf nicht länger nur Nujomas Wünsche er-füllen und die Richtlinien der Swapo umsetzen.

Interessant wäre z.B. eine Kabinettsänderung, die ganz deutlich macht, daß Pohamba wirklich die Zügel übernimmt. Gemeinsam mit seinem A-Team und nicht mehr mit dem Nujima-Kader (im Staatshaus ebenso wie im Tintenpalast). Warum sollte er nicht den fähigen Ministern den Vorzug geben? Die meisten Politiker, die uns heute vertreten, sind erschreckend blaß und un-motiviert, geradezu inkompetent!. Sie verkörpern eine Swapo, die vor der Unabhängigkeit eine Daseinsbe-rechtigung hatte. Seit 15 Jahren warten wir aber auf Menschen, die den Staat lenken - und für das restliche Afrika zum Vorbild werden könnten.- Zu Beginn dieses Jahres besteht die Gefahr, daß Pohamba „unterm Strich" (trotz aller guten Ansätze) so wenig eigene Initiativen umsetzt, daß ein enttäuschtes Volk unzufrie-den und in Nostalgie nach einem „besseren Präsidenten" sehnt. Denn dann würde sich der emeritierte Präsident und Gründer-vater der Nation geradezu anbieten...

Und der will ja nach wie vor in das Staatshaus!

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