Krieg - etwas zum Schmunzeln

Friday 25th of April 2003
Hans Feddersen

Man sollte auch einmal Schmunzeln, wenn die ganze Welt behauptet, aus Afrika gebe es immer etwas Neues. Wie ein afrikanischer Reporter den Irak-Krieg erfand, wollen wir den Lesern nicht vorenthalten. Es fing mit einer Meldung in der Süddeutschen Zeitung an: „Ein „Kriegsreporter‘ aus Swasiland hat tagelang im nationalen Rundfunk seiner Heimat ‚Live-Berichte‘ aus Bagdad abgesetzt, obwohl er von zu Hause aus berichtete." - Der Spiegel griff diese Geschichte auf. Unter der Überschrift „Die Front im Besenschrank" berichtet er über Phesheya Dube, der täglich um 5.30 Uhr aufsteht und sich während des Angriffs auf Bagdad in sein Arbeitszimmer schlich. Den Videorecorder hatte er nachts auf CNN programmiert; morgens machte er sich nur noch Notizen. Da war der Krieg fünf Tage alt, Bagdad keineswegs in Gefahr und dennoch sollte sich das Leben des Rundfunkreporters Dube verändern. Denn obwohl die Wahrheit zwei Seiten haben soll: Die Moralspostel im Parlament forderten plötzlich „den Kopf dieses Vollidioten" über den nicht nur die BBC lachte.

Der 35-Jährige erträgt das „friendly fire". Schließlich ist er Programmchef beim staatlichen Sender. Seine „Breakfast Show" wird vor allem von Hausfrauen in den Vororten gehört und von Taxifahrern.

Dube hat einen Moderator, der als heimlicher König gilt: Moses kann gurren, daß Frauen ganz anders wird. Er kann aber auch so witzig sein, daß der echte König Mswati III. schmunzeln muß . - Wie kam es aber dazu, daß ein Abgeordneter losdonnerte: „Warum lügen die Journalisten der Nation vor, der Mann sei im Irak, wenn er hier in Swasiland steckt?‘

Dube und Moses hatten sich notiert: Luftangriffe nördlich von Kirkuk, wo immer das liegt. Chemiewaffen bei Nadschaf - vielleicht auch nur eine Düngemittelfabrik. Ein amerikanischer Panzer in der Wüste. Das also ist das Weltgeschehen, die ganz große Bühne. Und er, der Dube, hockte in Swasiland. Na wartet.

Kurz nach 6.30 Uhr morgens rief ihn Moses an, wegen einer Drei-Minuten-Zusammenfassung. Kurz: Es kam eine Version zustande, die nur Dube und Moses vertraten. Zwischendurch Warnungen, Dube möge schön auf sich aufpassen... Und zehn Minuten später kracht irgendwas. Da fallen Schüsse. Dube spricht weiter - und Moses bittet seine Landsleute: „Betet mit mir, auf daß wir einen so guten Reporter nicht verlieren."

Drei Tage lang zogen die beiden ihre Bagdad-Live-Show durch. Warum? Weil man auch in Bagdad selbst der Wahrheit nicht viel näher war? Oder weil sie den Frieden lieben, so sehr, daß sie auch im Krieg nicht darauf verzichten wollten?

In Namibia hat man den Krieg weitgehend mit großem Erstaunen verfolgt: Das kannte man ja gar nicht: Städte- und Straßenkampf! Krieg war doch immer nur etwas, das sich irgendwo fern an den Grenzen abspielt...

Und mit etwas Phantasie...

back
 

Plus online by Plus Weekly
Publisher: Feddersen Publications cc.
email : info@namibiaplus.com
Tel: +264 (0)61 233635
Fax: +264 (0)61 230478
P.O.Box 21506
Windhoek
Namibia