Erziehungswesen in der Krise

Friday 10th of March 2006
Hans Feddersen

Die Erziehungsmisere in Namibia hat mehrere Gründe. Einer davon liegt in der demografischen Zusammensetzung unserer Gesellschaft.

Als Namibia unabhängig wurde - und plötzlich das Recht auf Erziehung in der demokratischen Verfas-sung verankert wurde -, da kam wie ein Tsunami die junge Generation poten-zieller Schüler auf die Schulen zu. Man erwartete, daß der Staat, der die Pflicht zur Erziehung ambitiös als Menschenrecht verkündete, zumindest im Grundschulbereich für unentgelt-lichen Schulbesuch sorgen würde.

Allein schon die Anzahl möglicher Grundschüler stellte 1990 ein Problem dar: Wenn 52 000 Schüler in einem neuen Jahrgang (Klasse 1) zur Schule wollen und man könnte mit einer Klassenfrequenz von 40 Schülern pro Lehrer einen Anfang machen, dann benötigten diese Schüler etwa 3 bis 5 Schulklassen pro TAG!

Falls diese Klassenräume aus dem Boden gestampft werden könnten, braucht man dafür auch Stühle und Tische (Einrichtungen). Und vor allem LEHRER.

Etwa 1040 Lehrer wurden benötigt.

Noch heute haben 12 Prozent aller Lehrer keine Ausbildung! Und nicht nur die Schüler empfanden die engli-sche Unterrichtssprache (vor allem in abstrakten, wissenschaftlichen Fä-chern) als Hindernis.

Plötzlich sollten Prüfungen auf Eng-lisch abgelegt werden...

Sehen wir uns die Statistik an: Der größte Anteil unserer Bevölkerung ist unter 15 Jahre alt! Wie in jedem Entwicklungsland gilt: Je ärmer, desto reicher an Kindern.

Für das namibische Schulwesen bedeutet das: Klasse 1 wird zur Zeit von 68 400 Schülern besucht, Klasse 2 von über 60 000; Klasse 3 wird von mehr als 58 000 Schülern besucht; In die 4. Klasse gehen 57 000 Namibier und in die 5. Klsasse 61 400. Erst vom 8. Schuljahr an nimmt die Anzahl der Schüler ab. So beträgt sie in der 10. Klasse schon weniger als 29 000 Schüler - bis hin zu knapp mehr als 12 000 Schulabgängern pro Jahr...

Insgesamt hat Namibia 553 017 Schüler und Schülerinnen (davon besuchen 527 000 die staatlichen Schulen).

Von dieser Anzahl entfallen 408 597 Schüler auf Grundschulen, nur 141 000 besuchen die Sekundarstufe.

Namibia ist ein ausgesprochen „jun-ges" Land mit einer jungen Bevöl-kerung (etwa 50 % der Einwohner sind unter 15 Jahre alt!!).

Das Problem der vielen Klassen-zimmer und Lehrer, die plötzlich be-nötigt wurden, ist bisher nicht gelöst worden. Nicht einmal ansatzweise. Denn obwohl runde 24 bis 27 Prozent des namibischen Haushalts für Erzie-hung ausgegeben werden, darf man feststellen, daß leider bis zu 80 Prozent davon nur an Gehältern (für Direktoren, Inspektoren und und und - ja auch Lehrer ausgegeben wer-den). Nicht so sehr für Lehrmittel.

Auch für dringend notwendigen Unterhalt ist kein Geld vorhanden. Und sofort fühlt sich niemand mehr verantwortlich dafür.

Vielleicht sollte man den Regio-nalräten mehr Entscheidungs-ewalt im Erziehungswesen zuschieben. Vielleicht könnte das Erziehungs-wesen zum Beispiel für „dezen-tralisierte Verwaltung" werden..

Tatsächlich haben nämlich weder das Experiment mit dem Cambridge-System noch die Aufteilung der Aufgaben in zwei Ministerien viel Erfolg gebracht...

Und eines Tages müssen wir mit über 50 000 neuen Auszubildenden und Arbeitssuchenden pro Jahr rechnen.

Man kann Namibia nur wünschen, daß es Lösungen für solche Probleme findet.

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