Riesen-Felsenpython ( Python sebae) in Klein Windhoek gefangen

Monday 20th of March 2006
Helmut Finkeldey

Am Donnerstag Abend um 20.30 Uhr wurde ich durch den Künstler Francois de Necker alarmiert, daß bei ihm im Garten, in der Höpfnerstr. 26 eine große Pythonschlange sei. Auf die Frage, wie lang die Schlange etwa sei, kam die Antwort:„Etwa 6 Fuß". Ich versprach gleich los zu fahren, aber ich schlug vor, die Schlange weiterhin zu beobachten, weil es schon dunkel war. Dort angekommen, fand ich Mrs. de Necker, mit einem Besen bewaffnet eine riesige Schlange in Schach zu halten.. Während Herr de Necker meine Taschenlampe hielt, konnte ich den Python ohne Probleme hinter dem Kopf greifen, konnte aber in der Dunkelheit, wegen der Größe der sich wehrende Schlange, nicht deren Schwanzspitze ergreifen. Sofort hatte sie sich um mein Bein geschlungen und ich hatte Mühe zu verhindern, daß sie sich meinem Griff hinter dem Kopf entziehen konnte. Erst als Herr und Frau de Necker mithalfen, den Körper der Schlange auf den Boden zu drücken, konnte ich dem Würgegriff der Schlange entkommen.

Aber wie diese Riesenschlange in einen 50 kg Hühnerfuttersack bekommen?

Ich stülpte den Sack über den Kopf der Schlange, bis in den unteren Zipfel, hielt dann den Kopf wieder von außen mit dem gleichen Griff hinter dem Kopf, jetzt im Sack fest, und mit vereinter Mühe konnten wir den Sack, der jetzt prall gefüllt war, über die Schlange ziehen und zubinden.

Um die Schlange durch die Wohnung in mein Auto zu tragen, waren schon zwei erwachsene Männer nötig, aber es gelang.

Die Schlange wurde im Kofferraum meines VW –Golf verstaut. Am Frei-tagmorgen rief ich den Sachbearbeiter für Reptilien bei der Natur-schutzbehörde, Mr. Mike Griffin an, ob er interessiert sei die Schlange zu übernehmen oder ob ich sie aussetzen sollte. Er gab seine Zustimmung, daß ich die Schlange aussetzen darf. Als Herr Alfred Schleicher, Leiter der Arbeitsgruppe für „Amphibien und Reptilien" von der Namibia Wissen-schaftlichen Gesellschaft (NWG) mich anrief, um mich einzuladen zu einer Exkursion der AG auf die Farm „Hohewarte", bat ich ihn mit den Farmbesitzern zu klären, ob es möglich sei, die Schlange dort frei zu lassen, weil dort schon Felsenpythons gesichtet wurden.

Das Einverständnis wurde gegeben und es ergab sich so die passende Gele-genheit schon zwei Tage später die gefangene Schlange in einem geeig-neten Biotop wieder auszusetzen. Inzwischen hatte ich die Länge der Schlange mit 3.25 m gemessen und gewogen. Ihr Gewicht ergab 44 kg., denn die Schlange war ausgezeichnet genährt. Der Schwarzmarkt-Ver-kaufspreis an die Ramatex - Arbeiter hätte gut N$ 1 000 erbracht, meinte ein Bekannter.

Im Beisein der Teilnehmer der Ex-kursion wurde dann auf der Farm einige Kilometer von der Teerstraße, unter-halb der Staumauer des Farmdammes der Felsenpython ausgesetzt. Eine ideale Stelle, da Leckwasser des bis zum Überlaufen gefüllten Farmdam-mes, unterhalb der Staumauer ganzjährig Wasserkolke bildet.

In den umliegenden Felsen hausen Klipschliefer, auch Wasservögel, Tauben und Wildenten kommen hier an das Wasser, für den Python ideale Lebensbedingungen.

Nach dem Freilassen schlängelte sich der Python dann auch sofort in das Wasser, tauchte eine Weile unter und schwamm dann unter Wasser bis zum Ufer, tauchte aber nur mit dem Kopf leicht auf, so daß nur Augen und Nase aus der Wasseroberfläche ragten. In dieser Stellung jagen diese Schlangen erfolgreich Tauben und Beutetiere, die zum Wasser kommen.

Den Besuchern hatte ich dann noch die Geschlechtsbestimmung von Schlangen im Allgemeinen und Riesenschlangen im Besonderen erklärt und dabei die rudimentär vorhandenen beiden Kral-len, Reste der ehemals vorhandenen hinteren Gliedmaße gezeigt. Im Laufe der Evolution haben die Stummelfüßer, zu denen die beiden Pythonarten gehören, ihre Gliedmaßen verloren, so daß durch Röntgenaufnahmen im Gewebe des Vorderköpers nur noch die Venen der Vordergliedmaßen zu sehen sind und am Körperende, innerlich die Knochen der Hinterbeine, äußerlich auch noch die Kralle der Hinterbeine zu sehen ist. Je eine rechts und links der Analschuppe. Diese sind bei den männlichen Schlangen stärker ausgebildet, als bei den weiblichen.

Wir kletterten weiter zur Dammmauer und nach unserer Rückkehr hatte sich die Schlange in die nahen Felsen abgesetzt.

Rätselhaft bleibt, wie diese große Python mitten in das Stadtgebiet kommen kann, ohne überfahren, erschlagen oder von Hunden totge-bissen zu werden.

Die Möglichkeit, daß sie in den nahen Bergen, auf denen die Wasser-reservoirs stehen, so groß werden konnte ist sehr gering. Eher besteht die Möglichkeit, daß sie seit Jahren im Sturmwassersystem gelebt hat. Dort leben Katzen, Ratten und Mäuse. Durch die starken Regen der letzten Zeit hat sie sicher höhere Lagen aufgesucht und ist in der Höpferstraße aus einem Sturmwassereinlauf raus auf das Grundstück von Haus No.26 gekommen. Dankbar bin ich jedenfalls, daß Mr. de Necker mir die Gelegenheit gegeben hat, das Leben des Python zu erhalten, dessen Alter sicher 50 – 60 Jahre sein kann.

In der gleichen Gegend haben wir auch Schildkröten ausgesetzt, Nachzucht von einer großen Pantherschildkröte, die wir schon über 30 Jahre im Garten halten, die aber auch schon mindestens 40 Jahre alt ist. Sie legt fast jedes Jahr Eier und wir erhalten regelmäßig Nachwuchs, den wir nach 3 Jahren wieder aussetzen. Aber auch größere Schildkröten, die ich manchmal in der Stadt auflese, oder die Bekannte mir bringen.

Das halten von Reptilien als Haustiere, ist bekanntlich ohne Permit der Natur-schutzbehörde nicht erlaubt.

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