Lauter Fragen zum Feiertag

Monday 20th of March 2006
Hans Feddersen

Auch wenn 16 Jahre kein runder Geburtstag sind: es lohnt sich, eine kurze Pause einzulegen und den kritischen Rückblick zu wagen.

Am 21. März 1990 wurde Namibia unabhängig. Und jeder war es zufrieden: UNO, Westmächte, die Sowjets hatten nach dem gleichzeitigen Fall der Berliner Mauer nichts mehr zu sagen. Also die Kubaner (und Angola) auch nicht... Wir waren unabhängig geworden und - sollten plötzlich immer häufiger schlau klingende Antworten auf die Frage geben: Unabhängig wovon - vor allem aber: Wozu?

Unsere Verfassung gelang richtig gut/ Man wird rückblickend den Eindruck nicht los, daß Herr Präsident unheimlich viel Macht hat (besonders wenn er auch noch Gründervater ist).

Parlamentarier sind in erster Linie ihrer Partei und nich etwa den Wählern gegenüber Rechenschaft schuldig, denn die Partei bestimmt, wer gut ist und wer nicht. Die Parteilisten sind zu wichtigen Voraus-setzungen für politische Karieren geworden. In diesem Zusammenhang ist zu erwarten, daß sich in Zukunft eine Debatte über Dezentralisierung und eventuell ein neues Wahlsystem ergibt. Schön wäre es, wenn die Abgeordneten endlich mal Verant-wortung ihren Wählern gegenüber beweisen müßten.

Wenn wir schon bei möglichen Verfassungsänderungen sind: Wie wäre es, die Affirmative Action als gesetzliche Grundlage für Versöhnung und Ausgleich in unserer Gesellschaft abzuschaffen. Versöhnung klappt doch recht gut. Affirmative Action könnte auch recht gut funktionieren, WENN Leistung und Können bei allen Bürgern - egal welcher Hautfarbe - über den gleichen Kamm geschoren würden. Seit 16 Jahren hat man aber das Gefühl, daß Affirmative Action zur „Apartheid mit umgekehrtem Vorzei-chen" degradiert ist. Können, Erfahrung, Leistung zählen nicht.

Nebenbei: Wer glaubt denn tatsächlich, daß Escom oder Hardap eine Naturkatastrophe (bzw. Sabotage) waren?

Die wohl wichtigste Frage zur Feier der Unabhängigkeit dürfte jedoch sein, ob Präsident Pohamba „machen darf, was er möchte". Vielleicht ist er ja tatsächlich viel gemäßigter als sein Vorgänger, den der Buschkrieg abgehärtet hatte - und der bei jeder passenden (und unpassenden Gelegenheit über Imperialismus und Anti-Afrikanismus herfiel).

Pohamba ist gleichzeitig Partei-mitglied einer „regierenden" Partei, deren Chef „der Alte" ist - und da hat man das gefühl, daß dies ihn in seiner Entscheidungsfreiheit ein-schränkt. Vor allem, wenn es um Personalfragen im Kabinett geht.

Pohamba hat der Korruption den Kampf angesagt... und dann?

Der Streit um die „offiziellen Bilder des Staatsoberhaupts" war lächer-lich, und das sogar im afrikanischen Kontext der Machtansprüche.

Interessant war Pohambas Reaktion in Bonn, wo er ein Abkommen nicht unterschrieb, obwohl dies doch jeder erwartet hatte. Inzwischen wollen die Riruako-Herero, die sich für diesen Mut bedankte, ihre „Wiedergut-machung für den Genozid" allein vorantreiben. Abgesehen von diesem egozentrischen Anspruch und den separatistischen Bemühungen einer kleinen Gruppe von Caprivianern haben sich Namibier seit 16 Jahren friedlich verhalten. Ganz im Sinne der Versöhnung.

Im Justiz- und im Erziehungswesen mögen die Probleme riesengroß sein... Diese Zeitung hat gerade von der Justiz bisher korrektes Auftreten erfahren - und ist im Vergleich zu anderen Gegenden in Afrika stolz auf das unabhängige Namibia.

back
 

Plus online by Plus Weekly
Publisher: Feddersen Publications cc.
email : info@namibiaplus.com
Tel: +264 (0)61 233635
Fax: +264 (0)61 230478
P.O.Box 21506
Windhoek
Namibia