Zum 1. Mai - zwei Veranstaltungen

Friday 9th of May 2003
Hans Feddersen

Es war gut, daß die beiden Veranstaltungen am 1. Mai getrennt stattfanden. Seit der Unabhängigkeit hätte man sich die Treffen der Gewerkschaften zum 1. Mai in Namibia sparen können. Denn seit 1990 hat die Anzahl der Anwesenden am Tag der Arbeit drastisch abgenommen. Man stelle sich nun mal vor, der Gebets- und Versöhnungstag wäre von der Veranstaltung der Gewerkschaften nicht zu unterscheiden gewesen! Dann hätte heute jeder geglaubt, die Gewerkschaften bekämen plötzlich unerhörten Zuspruch.

Nein! Es ist ebenso müßig, sich bis zum Gehtnichtmehr Gedanken darüber zu machen, ob der Tag der Versöhnung - so oder anders oder überhaupt - auf den Cassingatag fallen müßte. Tatsache ist: Die Veranstaltung im Windhoeker Stadion warhervorragend organisiert.Die Reden waren überzeugend. Die Masse setzte ein deutliches Signal - gegen die politisch gefärbten, swapo-loyalen Feiern. Selbst Präsident Nujoma, der eine objektiv gute Rede hielt (in der er gegen Streiks bei Ramatex und für Investitionen plädierte; er sollte das von nun an auch konsequent tun, wenn andere Betriebe bestreikt werden!), dieser Präsident hatte sich Ende April noch eindeutig für die Veranstaltung der Gewerkschaft entschieden. Ihm muß etwas mulmig zumute gewesen sein, als er 90 Minuten im Staatshaus warten mußte, ob nicht vielleicht doch noch ein paar mehr Zuhörer den Weg ins Katutura Stadion finden würden...

Auch den Sponsoren müßte das Frühstück hochgekommen sein, wenn es nicht schon im Hals stecken geblieben war... Allein am Donnerstag vor dem 1. Mai erhielt die NUNW, der Dachverband der Gewerkschaften, Spenden über N$ 30 000. Von Old Mutual N$ 15 000; von Labour Investment Holdings weitere N$ 10 000 und von Nam-mic N$ 5000. Wofür? Was wurde mit den Geldern gemacht?

Auch Peter Naholo, der amtierende Generalsekretär der NUNW muß sich in einem Erdloch verkriechen. Wie ernst glaubte er eigentlich selbst an die großspurige Behauptung, der diesjährige Tag der Arbeit werde „anders als in den letzten 10 Jahren" ein riesiger Erfolg werden? Pustekuchen!

Seien wir froh, daß die beiden Veranstaltungen getrennt verliefen - und so abliefen wie es tatsächlich der Fall war! Auf der politischen Veranstaltung sprach Nujoma von Streiks als „Wirtschaftssabotage" . Das war gut. Und beim Versöh-nungstreffen „Transformation Namibia" waren mehrere Tausende, die mit geistlichem Gesang und Gebeten der erstarrten, oberflächlichen Parteiveranstaltung eine schallende Ohrfeige verpaßten. Das war auch gut. Sogar vertrauenbildend! Hoffentlich erreichte der Erfolg der versöhnlichen Veranstaltung die richtigen Adressaten!

Das kann unserer Demokratie durchaus dienlich sein.

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