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Saturday 22nd of April 2006 Ausgerechnet eine briti-sche Tageszeitung, „The Times", bescheinigt Deutschland, daß es end-lich wieder raus aus dem Jammertal findet. Es geht aufwärts in Deutschland. Man möchte unwillkürlich jubeln, wenn solche Lobeshymnen gesungen werden. Nicht mehr Mea Culpa? Nicht mehr Asche aufs Haupt? Nein: „Germany is coming back!" schreibt Roger Boyes auf einer Doppelseite. Weil er einen Aufwärts-trend zu erkennen glaubt. Na endlich!! Aber noch kann die Euphorie verfrüht sein. Gut, wir sind Papst. Der „Sick man of Europe" ist neuerdings Italien. In Paris will die Nervenkrise wohl nicht mehr enden. Und die Ära Blair neigt sich dem Ende zu. Also müßte Deutschland der aufstrebende Stern sein. Wer sonst? Es ist nach dem lähmenden Wahl-ausgang gelungen, für neues Vertrauen in die Politik zu sorgen. Offensichtlich hat die Arbeitslosenzahl mit fünf Millionen ihren Höhepunkt erreicht. Die Beziehungen mit den USA werden besser (obwohl gerade dies kein Argument sein muß: Nenne mir Deine Freunde,...) Die Deutschen selbst sind nicht mehr so pessimistisch. Vielleicht hat die Fußball-WM tatsächlich dazu beige-tragen, daß eine neue Euphorie ver-sprüht wird. Der mürrische Veteran Oliver Kahn wird ausgemustert. Michael Ballack, der eher wie ein Filmstar aussieht, wird Kapitän der „coolen" Mannschaft. Wer an so erfolgreiche Aufsteiger wie Angela Merkel („Merkel-miracle") denkt, oder an den Papst oder an Heidi Klum oder an Karl Lagerfeld, der vergißt leicht, daß gleichzeitig die Ära Michael Schumacher vorbei geht. Aber auch die Wirtschaft hat neues Vertrauen in die Politik gewonnen. Man erwartet, daß die jetzige Politiker-Generation Entscheidungen trifft - und nicht nur Probleme aussitzt.Roger Boyes nennt Beispiele für einen deutlichen Aufschwung: Deutsch-land ist noch immer Export-Weltmei-ster, das Wirtschafts-wachstum könnte wieder die Zwei-Prozent-Marke erreichen. Die Inflation liegt unter zwei Prozent. Der Geschäftsklima-Index ist so hoch wie seit der deutschen Einheit (1989) nicht mehr. Schon deutet sich an, daß Bundeskanzlerin Merkel die hohe Arbeitslosigkeit als „Knüp-pel" gegen die Gewerkschaften ein-setzen könnte... Für Gerhard Schröder hatten die Arbeitslosen-Ziffern nur Negatives bedeutet. Tatsächlich sind die Gewerkschaften weich geworden („Schmuse-kätzchen" nennt sie Boyes): Unter-nehmen drohen mit einer Verlage-rung ihres Standortes nach Polen - und schon erstickt die Diskussion über Lohnerhöhungen. Selbst die Verkaufszahlen für Scho-kolade sind gestiegen. Und Deutsche machen Urlaub im eigenen Lande - nicht weil sie sich nichts anderes leisten können, sondern weil ihnen Italien nicht mehr attraktiv genug erscheint. Man sollte die Deutschen nicht ab-schreiben. Englische Fußball-Fans behaupten: „Die Deutschen wissen nicht, wann sie verloren haben". Auch das mag stimmen. Aber ein bißchen mehr Rückgrat und Stolz würde „den Deutschen" nicht schaden, wenn es um nationale Interessen geht. In Wahrheit könnte man viele Probleme, die das Land hat (oder zu haben glaubt) der Tatsache zuschreiben, daß der Zweite Weltkrieg verloren ging, daß es noch immer kein Friedens-abkommen und nur ein Grundgesetz für Deutschland gibt. Und dazu viel Propaganda gegen alles, was deutsch ist und sein will.Auch im Namen von Globalisierung und Multi-Kulti. Womit Behauptungen des Herero-Chiefs Kuaima Riruako (die deutsche Regierung besitze „200 Farmen in Namibia") jedoch allemal ins Reich der Märchen verbannt werden dürfen. |
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