Preis und Leistung

Saturday 22nd of April 2006
Simon M. Haag

„Wundern Sie sich über nichts!" Diesen Satz kann man einem Namibia-Neuling getrost mit auf den Weg geben. Überraschungen aller Art sind vorprogrammiert. Da kann es nämlich passieren, dass man für wenig Geld ganz passable, angenehme Unterkünfte bekommt. Es kann auch passieren, dass saubere und komfortable Zimmer zu einem angemessenen Preis vermietet werden. Kurzum es kann passieren, dass Preis und Leistung zusammen passen. Und das ist oft so! Es kann aber auch passieren, dass man auf teuren Lodges Campsites findet, deren Sanitärblöcke absolut Spitze sind, aber es gibt eben auch solche, wo zwar der Zimmertourist durchaus zufrieden sein kann, der Camper aber für teures Geld nur baulich verkommene, total verdreckte Anlagen vorfindet. Damit der Leser dies nicht missversteht, der Autor hat – während er dies schreibt – durchaus private Betriebe im Auge. Die staatlichen Lagerplätze sind, so hat sie zumindest der Autor mehrfach erlebt, leider zwar im baulichen Verfall begriffen, aber trotzdem absolut sauber.

Ein weiteres. Der Namibia-Neuling sollte sich schleunigst an große, weit ausladende Räume gewöhnen. Er sollte sich andererseits aber auch nicht wundern, wenn er in dem Land, wo Grund und Boden fernab von Windhoek oder Swakopmund kaum etwas kosten, sich in einem dunklen Sanitärblock wiederfindet, in dem er sich kaum drehen kann. Der Preis, der ihm dafür abgefordert wird, kann sich allerdings trotzdem in astronomischer Höhe bewegen und durchaus – je nach Gusto des Betreibers – von dem im Prospekt angegebenen Preis abweichen – in den meisten Fällen selbstverständlich nach oben. Auf Beschwerden wird der Reisende dann oft die Antwort bekommen, er solle nicht vergessen, er sei in Afrika. Angesichts des europäischen Preisniveaus kann sich der Reisende dann durchaus ausgenommen oder schlichtweg abgezockt vorkommen. Aber das ist ja dann sein Problem. Problematisch wird es für Namibia erst dann, wenn die Zahl der zahlenden Touristen weiter abnimmt und dadurch der Kuchen, den sich die Tourismus-betriebe teilen müssen, zwangsläufig immer kleiner wird. Und die Chancen dahin zu kommen, die stehen gut. Namibia gilt in Deutschland mittlerweile als sehr teures Reiseland und das bei stagnierenden oder gar sinkenden deutschen Realeinkommen.

Und vor allem eines sollte nicht vergessen werden: Namibia ist nicht das einzige Reiseland in Afrika. Eine Woche Kenia gibt es beispielsweise inklusive Flug und 4-Sterne-All-Inclusive-Hotel-Aufenthalt ab Frankfurt/Main für das Geld, welches allein der Flug nach Namibia kostet. Stehen hier aber europäischer Preis und afrikanische Leistung weiterhin oft so weit auseinander, kann es dem Namibia-Tourismus leicht so ergehen wie jenem Supermarkt auf der Strecke Windhoek-Swakopmund, in dem während der Öffnungszeit plötzlich die Lichter ausgingen, weil wohl irgend jemand mal wieder die Rechnung nicht bezahlt hatte.

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