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Friday 28th of April 2006 Dr Mosé Tjitendero, der erste Parlamentspräsident („Speaker") der nami-bischen Republik ist am Mittwoch an den Folgen einer Leukämie gestorben. Man bewundert an ihm vielleicht am meisten, daß er von einem barfüßigen Jungen, der seine Jugend auf Midgard verbrachte, zu einem Befürworter der Demokratie und beispiel-haften Vertreter der Versöhnungspo-litik wurde. Man hatte bei ihm oft genug das Gefühl, daß der Parlamen-tarismus ihm wichtiger sei als jede Parteipolitik. Deshalb wurde er respektiert. 1993 war Dr Tjitendero der Ehrengast beim WIKA-Prinzenball - und wer diesen miterleben durfte, erinnert sich sicher an die Wortspielereien über die „Monarchie Absurdistan" und die namibische Demokratie, als sich der Sitzungspräsident, der Prins und der Ehrengast spontan „den Ball zuwarfen". Immerhin war dies zu einer Zeit, als man noch nicht wußte, wie sich die Versöhnungspolitik bewähren würde. In den 60er Jahren war er Teil des „Tanganyika Clubs", der Swapo zu einer international anerkannten Bewegung machte. Tjitenderos Weg führte ihn nach dem Ausschluß aus dem Augustineum" (Okahandja 1963) ins Exil nach Daressalaam (Tansania). In Pennsylvania (Lincoln University) brachte er es 1967 zum BA-Grad in Geschichte und politischen Wissen-schaften. Danach habilitierte er 1976 in den USA (Ph.D.). Weitere Studien führten ihn nach Straßbourg (Diplom über Menschenrechte). Als das UN-Institut für Namibia (UNIN) in Lusaka geöffnet wurde, war er fünf Jahre lang Dozent an diesem Institut - und dann für Erzie-hungsfragen der Swapo zuständig. 1982 gelang es Dr Tjitendero, aus dem Unesco-Budget Gelder für die Aus-bildung von Lehrern am UNIN zu lockern. Nach der Unabhängigkeit spielte der erste Parlamentspräsident eine große Rolle, als das Parlamentarische Forum der SADC 1996 ins Leben gerufen wurde, dessen erster Vorsitzender er war. Er betrachtete es als seine persönliche Aufgabe, Politik dem Wähler näher zu bringen. Von 1999 bis 2003 war er auch Mitglied und zeitweilig Vizepräsident der Inter-Parlamentarischen Vereinigung (IPU), deren Treffen 2001 im UN_Hauptquartier in New York unter seinem Vorsitz stattfand. Außerdem war er einer der Prä-sidenten der Commonwealth Parla-mentary Association in Namibia. Natürlich hatte dieser politiker auch private Geschäftsinteressen, etwa als Mitglied des O & L _Aufsichtsrates, in der Fischerei, als Mitglied der Rössing Stiftung und des Instituts für Demokratie (NID). Er war Eigentümer der Farm Montrose West. Seine Partei (Swapo) wird in zahlreichen Nachrufen an den „Kämpfer für die Unabhängigkeit" erinnern. Beim Außerordentlichen Kongreß der Swapo 2004 war es Dr Mosé Tjitendero, der Hidipo Hamutenya als Präsidentschafts-Kandidaten vorschlug. Und warum eigentlich nicht? Zu diesem Zeitpunkt war bereits bekannt, daß der Gründungs-vater der Nation mit dieser Wahl nicht konform ging. Kurz danach wurde Hamutenya als Außenminister degradiert. Auch in diesem Zusammenhang verdient der Demo-krat Tjitendero Respekt. Er brauchte nicht mit der Faust auf den Tisch zu hauen. Er brauchte nicht seinen Zeigefinger gegen Imperialisten zu erheben. Gerade deshalb und aufgrund seiner konsequenten Haltung hat unsere Demokratie an Transparenz und Daseinsberechtigung gewonnen. Mit Dr Mosé Tjitendero verliert Namibia einen wichtigen, weil toleranten Demokraten. Möge er für andere, die sich dafür stark machen, ein leuchtendes Vorbild bleiben! |
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