Diese Schnappszahl muss man feiern

Friday 12th of May 2006
Hans Feddersen

Am internationalen Tag der Pressefreiheit hat Ministerin Netumbo Nandi-Ndaitwah noch einmal betont, nein bestimmt, welche Rolle Namibias Medien spielen sollen. Der Aufbau eines vereinigten Namibias („nation building") gehört ebenso dazu wiedie Unterstützung von Instanzen, die für Entwicklung zuständig sind. Und man soll nationale Helden und Führungspersönlichkeiten nicht beleidigen. Weil wir nun aber in Namibia noch nicht definiert haben, wer denn nun eigentlich ein Held ist (wir ahnen nur, daß viele Helden eben nicht im Heldenacker beerdigt sein werden), nehmen wir uns die Ministerin zum Vorbild. Sie hat doch am 20. April weitere N$ 15 Millionen aus der Staatskasse für den oskar-verdächtigen Film „Wo andere zögerten" verschenkt. Unsere Regierung gab für dieses Projekt also schon N$ 90 Millionen aus. Gut angelegtes Geld, wie wir am 12. Mai vermutlich bemerken werden. Dann feiert der vollbärtige Hauptcharakter dieses Streifens, der den Kindern „die Wahrheit" beibringen soll, seinen 77. Geburts-tag.Er darf überprüfen, ob der Film „politisch korrekt" ist. Denn die offizielle Premiere ist für die zweite Hälfte des Jahres geplant. Naja, wir brauchen Zeit! Noch wissen wir ja nicht einmal, wer die Vermarktung des historischen Monumentalwerks finanziert. US-Regisseur Burnett war zwar enttäuscht, daß es in Namibia nur drei Kinosäle gibt. Aber in den USA würde allein schon die Produktion solch eines Streifens 100 Millionen US-Dollar (!) kosten... Aber Spaß beiseite! Wir werden Touristen und Investoren ins Land locken, denn allein schon der „Vater der Nation" ist eine überdimensionale Attraktion. Die Welt sollte halt nurbegreifen, daß wir in Namibia derartiges Edelgestein horten. Also sollte unser Haushalt für die Transkription in mindestens 50 international angesehene Sprachen noch ein paar Millionen springen lassen! Und Schüler können im Unterricht für eine Silberkollekte auf höchst amüsante Weise lernen, wie und was geschichtlich wichtig war. Ungefärbt. Und wenn Nachkriegs-Deutschland einst durch das „Wunder von Bern" zu neuem Lebensgeist und Selbstgefühl erweckt wurde, - warum soll durch Namibias Arme und Arbeitslose nicht auch ein Ruck gehen: „He, guck mal, was DER hingekriegt hat! Tatsächlich: er hat nicht gezögert. Aber das können wir doch auch!" Und so wächst das Volk zu einem vereinigten Block zusammen. Nation-Building, wie es die Informationsministerin als Aufgabe der Medien versteht. Wir aber haben schon immer gesagt: Der Film ist wichtig! Dafür kann man (nicht genug) Geld ausgeben!

back
 

Plus online by Plus Weekly
Publisher: Feddersen Publications cc.
email : info@namibiaplus.com
Tel: +264 (0)61 233635
Fax: +264 (0)61 230478
P.O.Box 21506
Windhoek
Namibia