Gedanken zur Wahl

Saturday 17th of May 2003
Hans Feddersen

Noch liegt die nächste Wahl im demokratischen Namibia in weiter Ferne (...irgendwann spät im nächsten Jahr), aber da Vorbereitungen zur Erfassung aller Wähler laufen (so genannte Registrierung), kann man zumindest hinter den Kulissen bereits Anzeichen eines heftigen Wahlkampfes entdecken. Dabei entsteht leicht der Eindruck, daß sich die politischen Parteien ausschließlich um eigene Wähler kümmern. Die Stimme, die man als Wähler abgibt, ist zwar geheim, doch das hindert niemanden daran, notfalls sogar potenzielle Wähler einzuschüchtern. - Deshalb lohnt es sich, ein paar Eindrücke zu analysieren: Swapo ist am eifrigsten dabei, sich auf Präsidents- und Parlamentswahlen vorzubereiten. Dabei hilft natürlich der gezielte Einsatz und das Bild der Parteifarben... Bei Mitgliedern der Oppositionsparteien vermißt man solche Identifizierung mit (oder das öffentliche Bekenntnis zur?) eigenen Partei! Woran liegt es, daß schon bei der vorigen Wahl (1999) ganze 45,9 Prozent der registrierten Wähler nicht an der Wahl teilnahmen? Im Vergleich dazu: Swapo brachte es auf 41,9 % der abgegebenen Stimmen! - aber klar, das waren 76,3 Prozent der abgegebenen Stimmen und damit eine Dreiviertel-Mehrheit!!! - Wer sagt den Wählern der Oppositionsgruppen, daß sich in diesem Jahr JEDE(R) aufs Neue erfassen lassen muß? Die gesamte Wählerliste soll alle zehn Jahre neu zusammengestellt werden. Die größte Gefahr für einen demokratischen Wandel stellt die politische Apathie, die Lustlosigkeit und die Haltung dar: „Ach, was können wir denn schon daran ändern?" Wir können! Zumindest sollten wir dazu beitragen, daß gerade die Regierungskritiker durch die neue Wählerliste erfaßt werden - und dann auch tatsächlich ihre Stimme abgeben. Man stelle sich vor: Eine Wahl ohne den Präsidentschaftskandidaten Sam Nujoma - und vermutlich wird auch Katuutire Kaura (DTA) nicht mehr antreten; eine Wahl mit ganz neuem Eifer der Opposition... und niemand geht hin! Man darf und muß den Parteien vorwerfen, daß sie zwischen den Wahlen nicht viel tun, um positiv im Gespräch zu bleiben... aber wer sich ein Bild von der neuen Aktivität v.a. junger Wähler machen kann, der stellt fest: Der Wahlkampf hat begonnen!

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