Nachts kommmen die Hippos zu Besuch

Saturday 20th of May 2006
Brigitte Weidlich

Die ersten Vögel rufen im Morgengrauen, am Ufer des Okavangoflusses steigen Nebel hoch, treiben schnell auf die Mitte zu und hüllen die Inselvegetation in mystische Schleier, die Popafälle rauschen nur noch leise. Langsam bricht die Sonne hervor, rosa schimmert das Tageslicht, färbt die Nebelschwaden in zarte Pastelltöne. Ein neuer Tag beginnt auf der großen Flußterrasse der Rainbow River Lodge bei Divundu.

Mit der Hilfe von drei bundesdeutschen Investoren hat der Inhaber Johan Bean die Touristenunterkunft südlich von Divundu vor rund 2 Jahren aufgebaut. Zwanzig Bungalows stehen am Uferhang vom Okavango unter schattigen Bäumen, eine Holzterrasse am Wasser und eine geräumige Bar mit Frühstücksbereich bieten Ausblick auf den Fluß. Ein selbst gebautes Flußboot steuert Touristen nahe an die Popafälle, die eigentlich Stromschnellen sind und auch zu den etwa 30 Hippos (Flußpferde), die nur einige hundert Meter entfernt leben. ,,Das Boot hat einen ganz leisen Motor und ist hipposicher gebaut, da können sie nicht ’reinbeißen", versichert Bean, der natürlich von fast jedem Besucher gefragt wird, ob sein Name identisch ist mit dem des Fernsehhelden ,,Mr Bean".

Es stehen auch zwanzig Campingplätze zur Verfügung, direkt am Ufer und mit geräumigen Grillplätzen. Auch hier gibt es eine Holzplatform mit Panoramablick. Das Schild am Baum ,,Achtung Krokodile!" erklärt sich von selbst. ,,Und diese breiten Spuren hier am Grillplatz?" frage ich neben den abgeknickten Zweigen eines Busches, der ins Wasser hineinragt. ,,Ach so, das sind die Spuren von den Hippos letzte Nacht, die kommen hierher, aber nicht zum grillen, sondern zum grasen", lacht Mr Bean und freut sich an meinem Gesichtsausdruck.

Oben vor dem Eingang zur Rainbow River Lodge entstehen 10 afrikanische Grashütten im Okavangostil neben einem Hirsefeld. Da können Touristen mit dem kleineren Geldbeutel übernachten oder alle, die traditionell afrikanisch die Nacht verbringen wollen, mit afrikanischen Gerichten und lokaler Musikgruppe aus dem Dorf von nebenan. Die Duschen haben kein Dach, man kann den Himmel ungestört betrachten. ,,Wir bieten auch Wanderungen mit einheimischen Führern an", erklärt Bean.

Die malerischen Sonnenauf– und untergänge in der Lodge sind einmalig. Spät abends kommen die Hippos, man hört ihre Rufe und das Planschen im Wasser. Sie sind aber scheu und betreten den Campingplatz nur, wenn wirklich alles schläft und lassen nur ihre Fußspuren zurück.

Nicht nur die Hippos sind hier zu Hause, auch viele Krokdile! Fotos: Brigitte Weidlich

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