Streit über Oranje-Grenze; warum eigentlich

Saturday 20th of May 2006
Hans Feddersen

Erstaunliches hört man im Zusammenhang mit dem Orange River (zu deutsch: Oranje). Wer die Ent-wicklungen im südlichen Afrika beobachtet, stellt fest, daß immer mehr und immer größere Stau-dämme gebaut werden sollen (zum Teil - wie in Mosambik - auch von den Chinesen, die ja wohl Weltmeister im Bau von Staudämmen und Großen Mauern sind).

Doich hier soll es nicht um die Chinesen gehen. Auch nicht um die Nutzung der sehr wenigen Wasser-läufe, die das südliche Afrika nun einmal hat. Und im Besonderen geht es um den Oranje.

Namibias Minister für u.a. Wasser-wesen, Nickey Iyambo, trifft sich mit dem südafrikanischen A,mtskollegen Buyelwa Sonjica. Und das Ergebnis dieses Treffens ist, daß das Wasser besser genutzt werden soll. Da muß natürlich bei Noordoewer und/oder Vioolsdrif ein Stauwerk her. Im Falle des Epupa-Stauwerks haben wir gelernt, wie lange so etwas dauern kann.

Also haben wir Zeit, eine Frage gründlich zu untersuchen: Wie verhält es sich eigentlich inzwischen mit dem Verlauf der südlichen Grenze von Namibia? Seit 1992 gab es in diesem Disput mit dem Nachbarn Südafrika keine Fortschritte. Und vor 1992 hatte man sich nie einigen können.

In Namibias Geschichte hat der Oranje immer eine Rolle gespielt. Im 18. Jahrhundert tummelten sich hier Elefanten, Nashörner und Flußpferde.

Für Vogelsang und Adolf Lüderitz spielte der Fluß nicht nur als Grenze für ihre Landkäufe eine Rolle. Und auch die Brüder Petersen kauften dem Bondelswart-Chef Wilhelm Christian mehr als 250 000 Acker Land (beim heutigen Aussenkehr) ab.

Seit 1991 streiten sich Namibia und Südafrika über die genaue Grenze. Namibia wünscht sich die Grenze in der Mitte des Flusses. Südafrika weist darauf hin, daß sich England und Deutschland 1890 in Berlin über eine Grenze entlang der Hochwassermarke am nördlichen Ufer geeinigt hatten. Dann gehört das wasser im Oranje natürlich den Südafri-kanern. So war es bis zur Unabhängigkeit Namibias. Bis 1994 hatten sich Mandela und Nujoma geeinigt, daß die Grenze in der Mitte des Flusses verläuft. Aber der Text wurde von den Regierungen noch nicht ratifiziert.

Wegen des Disputs gibt es Fragen über die rechte über Mineralien, Weiderechte auf Inseln und die Kontrolle von Fischerbooten auf dem Fluß.

Seit vielen Jahren hüllten sich beide Seiten in diplomatisches Schweigen.

In den vergangenen Tagen trafen sich die Vertretungen jedoch in Windhoek und es soll eine Einigung über die Nutzung und die Kontrolle der Wasserqualität gegeben haben. Natürlich auch über Bewässe-rungssysteme und - eben auch Stauwerke.

Im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung von Industrie und Energiequellen ist die Einigung zwischen den Nachbarländern wichtig und nötig. Überhaupt fragt man sich als Laie, warum es den Grenzdisput geben muß. In der modernen Politik, wo Wirtschafts-blöcke immer näher zusammen-rücken, sollte man solche Probleme doch elegant lösen können.

Man fragt sich aber auch, warum ein Text über die Abmachungen von 1994 so lange in irgendwelchen Regierungsbüros verstauben muß - statt daß die betroffenen Regierungen ihn endlich ratifizieren. Schließlich definiert unsere Verfassung schon im ersten Artikel ein souveränes Nami-bia in bestimmten „Grenzen".

Eine Folge dieser verfassungsrecht-lichen Lage ist, daß es im Norden keinen Separatisten-Staat „Caprivi" geben darf.

Im Süden des Landes sollte man ähnlich konsequent auftreten - und Nägel mit Köpfen machen.

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