Angriff auf die Pressefreiheit

Friday 26th of May 2006
Hans Feddersen

Wenn nicht alles täuscht, bringt sich Namibias Regierung (oder doch ein radikaler Teil derselben) langsam in Position,um den Kampf gegen Presse-freiheit zu beginnen.

Die Anzeichen mehren sich! Und das gilt nicht nur für Papparazzi (NICHT etwa Journalisten), die den Umweg über Polizei-gebäude wählen, um Fotos von einer schwangeren Schauspielerin zu ergattern.

Sehr viel kritischer wird man beob-achten, wie die Presse auf die Weisheit eines Vizeministers Katali reagiert, der die Beschleunigung der Landreform nach dem fragwütdigen „Vorbild" Simbabwes beschwor.

Kritisch muß man jedoch auch zur Kenntnis behmen, wie scharf und persönlich einige Abgeordnete im Nationalrat die Presseerklärung der Informationsministerin Netumbo Nandi-Ndaitwah als Anlaß nahmen, gegen den 73-jährigen Redakteur Hannes Smith zu Felde zu ziehen.

Die Erklärung der Ministerin ver-schlägt jedem Journalisten die Worte! Manche mögen es vielleicht nicht so krass sagen, ... eben weil sie bereits sprachlos sind!

Es geht um einen Leserbrief unter einem Pseudonym. Natürlich fühlte sich der Gründervater und Held, His Excellency Dr Sam Nujoma, Founding Father of the Namibian Nation, first President of the Republic of Namibia amd President of the Swapo Party (keuch, was für ein langer Titel!) beleidigt. Natürlich sollte man seine Leistungen respektieren.

Aber wie leicht vergißt die Ministerin, daß eben dieser Held vor wenigen Jahren Hannes Smith vor Gericht zitierte. Und wer sagt denn, daß der betroffene Leserbrief vom Redakteur selbst geschrieben wurde? Wer einen Hund verprügeln will, findet immer einen Stock!

Wir wissen, daß Politiker und Journa-listen (wenn diese ihre Rolle ernst nehmen und an demokratische Werte wie z. B. Pressefreiheit glauben) micht unbedingt unter einer Decke stecken.

Wir legen dennoch großen Wert auf ethische Grundsätze in namibi-schen Medien.

Und deshalb warten wir - aber hoffnungslos und vergeblich) auf eine Reaktion der Ministerin Netumbo-Ndaitwah: Warum mußte One-Africa auf den staat-lichen NBC reagieren? NBC hat doch mit Fern-sehübertragungen zur Fußball-WM versucht, Werbung zu erheischen, obwohl NBC gar keine Senderechyte hat. Hier darf die Ministerin ruhig mal mit der Faust auf den Tisch hauen, schließlich ist sie verant-wortlich für die Fernsehanstalt.

Oder: Wie konnte das Regierungs-blatt New Era zu einer Pressekonfe-renz am Freitag mit dem Hollywood-Pärchen einladen? Seit wann ist der Gouverneur der Erongo-Region Pressechef des Pärchens? Und wie kam es, daß der Vizeminister für Tourismus diese Panne ausbügeln mußte? Ethik der Betroffenen? Oder doch nur Propaganda und „Schwamm drüber"?

Oder: Wann hat man aus den Reihen der Volksvertreter schon mal eine leise Kritik am Parteinlatt Namibia Today gehört? Selbst Erich Honecker würde die Hetze in der Swapo-Zeitung abtun.

Aber nein! „True and patriotic Namibians should uphold the spirit of national reconciliation" (Zitat: Ministerin). Sie hat ja Recht - aber dann darf nicht mit zweierlei Maß gemessen werden.

Wir genießen in Namibia Presse-freiheit! Damit sind wir längst zu einem Beispiel für zahlreiche andere Afrikastaaten geworden. Auch dieser Umstand zählt, wenn sich Touristen und Investoren für Namibia interes-sieren.

Aber Vorsicht: ein paar lästige Leser-briefe in einer Wochenzeitung sollten nicht zu Reaktionen führen, die unse-rem internationalen Ansehen scha-den.. Möge die Ministerin ihre (oder Nujomas?) Wut und ihren Eifer bändigen!

His Excellency Dr Sam Nujoma, Founding Father of the Namibian Nation, first President of the Republic of Namibia amd President of the Swapo Party

back
 

Plus online by Plus Weekly
Publisher: Feddersen Publications cc.
email : info@namibiaplus.com
Tel: +264 (0)61 233635
Fax: +264 (0)61 230478
P.O.Box 21506
Windhoek
Namibia