Wie eine Rakete außer Kontrolle

Friday 26th of May 2006
Hans Feddersen

Natürlich wird sich auch Deutschland für den neuen Stern am namibischen Ministerhimmel interessieren. Izak Katali hat immerhin Erstaunliches gesagt. Und das kurz nach der Erhöhung deutscher Entwicklungshilfe-Gelder auf etwa N$ 372 Millionen für dieses Jahr. Der deutsche Steuerzahler muß ab Januar 19 % Mehrwertsteuer schlucken. Dazu die Kosten des Einsatzes in Afghanisten und im Kongo. Und dann pochen ein paar Herero auf „Wiedergutmachung für den Völkermord". In diesem Falle blieb Deutschland konsequent - bis auf Verspreechen der Roten Heidemarie. Die Berliner Regierung muß sich aber auch die Frage gefallen lassen, warum ausgerechnet sie den Ausbau des Hafens von Walvis Bay finanziert. Ist Namibia nicht aufgrund seiner „besonderen Beziehungen" zum britischen Königshaus Mitglied im Commonwealth geworden? Und was tut man in der ehemals deutschen Kolonie nicht alles für die englische Sprache! Also: Warum soll Deutschland Geld geben? Man kann Verstämdnis für die Unterstützung des Bildungswesens (N$ 24 Millionen) und der Landreform haben. Ganz klar! Aber vielerorts sollte man sich Gedanken machen, wenn eine Rakete außer Kontrolle gerät und zur Gefahr für ein so sensitives Unterfangen wie eben diese Landreform wird. Katali ist solch eine Rakete! Kaum hat man (aus Ermüdung) das Kopfschütteln über den Fall Ramatex verlangsamt (oder schon eingestellt), da tönt es aus Harare, wo sich Katali fünf Tage lang aufhalten durfte: „Wir sind hier, um auf unsere Kollegen in Simbabwe zu sehen und zu hören, wie sie ihr erfolgreiches Landreformprogramm in Angriff nahmen. Landreform ist für Namibia wichtig und wir glauben, daß dieselben Menschen, (die Namibia kolonisieren) auch dieselben sind, die Simbabwe kolonisierten. Wir glauben auch, daß wenn die Leute in Simbabwe das tun konnten, wir es auf gleiche Art tun können." Soweit Katali im Kreis ideologischer Glaubensbrüder. Wie „erfolgreich" die Landreform in Simbabwe war, liest man nicht nur an der Inflationsrate (über 1000 %) und an der Zwangsumsiedlung, bzw. landesweiten Streiks der Bevölkerung ab! Es hilft auch nicht, dieses Zitat als „Naja, ist halt ein Pressebericht" abzutun. Das war keine Entgleisung, das war die versteckte Tagesordnung, die Katali da verplappert hat! Und es gab bestimmt Politiker in Harare, die über diesen Blumenstrauß für ihre „ach-so-vernünftige" Politik froh waren. Die ganze Welt sollte Katali ernst nehmen. Auch der große Geldgeber Deutschland. Man darf auch gespannt sein, wie der namibische Botschafter in Berlin diese Peinlichkeit (wieder einmal) bereinigen wird.

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