Mischt er doch noch mit?

Friday 9th of June 2006
Hans Feddersen

Im Falle der Shebeens (private Pinten, deren Betreiber angeblich gar nicht so viele Arbeits-plätze schaffen, wie sie gern behaupten) vergab? brodelt es richtig.

Sechs Jahre lang hatten Shebeen-Besitzer Zeit, sich die nötigen Lizenzen zu besorgen.

Einerseits sind die Ka-schemmen eine wertvolle Einnahmequelle für ihre Betreiber. Damit wird der Alkoholkonsum zum Wirtschaftsfaktor.

Andererseits sind nicht nur der Lärm und die Verschmutzung Anlaß zu öffentlichem Ärger. Hinzu kommen Probleme, die man normalerweise mit Alkoholmißbrauch verbindet: häus-liche Gewalt, gesundheitliche Schäden, häufig auch Verkehrsunfälle. Wie gesagt: im Falle von Mißbrauch des Alkohols, und dieses Phänomen gibt es in aller Welt.

Nun gibt es Leute, die Shebeens regulieren wollen. Ein wenig erinneret das an die Registrierung von Freuden-mädchen. Und in Namibia ist der Vergleich gar nicht einmal so absurd!!

Die Betreiber von Shebeens wollen nicht durch Auflagen „eingeschränkt" werden.

Die Aktion, als deren Auslöser Präsident Pohamba gilt, ist im Grunde richtig und gut. Auch die Tatsache, daß Shebeen-Eigentümer mühevolle Behördengänge fürchten und neue Investitionen scheuen, darf nicht als Ausrede gelten. Qualität hat ihren Preis. Wir sollten nach dem höchst-möglichen Hygiene-Niveau streben.

Und siehe da: die Spalten der Kleinanzeigen in der Tagespresse sind plötzlich gefüllt mit Bewerbungen um Lizenzen. Das ist doch schon etwas.

Traurig, nein ein Skandal ist es, daß

an der Gegendemonstration zur Unter-stützung der Polizei in Swakopmund nur ein Dutzend Leute teilnahmen.

Und dann hieß es plötzlich, Parteichef Sam Nujoma stehe auf Seiten der maulenden Shebeen-Besitzer. Mutig ist in solcher Situation der eindeutige Standpunkt von Veronika de Klerk (Women‘s Action for Development WAD) zu nennen, die unumwunden klarstellte, daß Präsident Pohamba für ethische Werte zu sorgen habe - und daß sich durch die Shebeens die Lage gerade der Ärmsten Namibier und der Arbeitslosen, keines-wegs verbessere. Ein deutliches Signal gegen Nujoma, möchte man sagen.

Es kann doch nicht angehen, daß die Polizei mit Gummikugeln auf gewaltsame Demonstranten schießen muß! Und genau das ist schon passiert: in Omuthiya wurden zehn Personen verletzt.

Dann aber wird Nujoma in der Tagespresse zitiert: Natürlich könne er Angriffe der Shebeen-Besitzer auf die Polizei nicht dulden. Auf einer Pressekonferenz sagte Nujoma (auf englisch), daß gegen Privatbetriebe nichts zu sagen sei, solange diese legal sind. Die Swapo-Spitze verurteile ausdrücklich die Aktionen gegen die Polizei.

Nujoma also nicht derjenige, der wegen vermeintlicher Lücken im Gesetz die Polizei jahrelang davon abhielt, gegen Shebeens vorzu-gehen??? Also war dieser Eindruck, der auch im Radioprogramm Chat Show entstand, völlig falsch?

Vielleicht ja doch nicht.

Man ist heute leicht geneigt, Nujomas Einfluß in allen möglichen Konflikten zu sehen. Auch die Ent-mächtigung der Fußball-Verwaltung gehört dazu.

Deshalb wird man hellhörig, wenn plötzlich behauptet wird, Nujoma habe auf der Pressekonferenz eng-lisch gesprochen, der Oshi-wambo-Dienst des NBC-Rundfunks habe jedoch in der einheimischen Sprache genau das Gegenteil von all dem gesagt.

Womit wir noch nicht viel weiter wären. Immerhin sind das erstmal vorläufige Behauptungen, auf die die Menschenrechtsorganisation NGfM reagieren möchte.

Fortsetzung folgt...

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