Einigkeit und Recht und Freiheit

Saturday 24th of June 2006
Hans Feddersen

Deutschland ist seit dem 9. Juni patriotischer denn je. An Autos und Hauswänden flattern Fahnen, im Stadion wird die Nationalhymne voller Inbrunst gesungen. Aber - typisch deutsch - das paßt manchen nicht. „Die aktuelle Hymne ist belastet und paßt nicht mehr" meint die Lehrergewerkschaft. Man dürfe nicht „den Deckel zumachen und nicht mehr über die Vergangenheit reden". Deshalb müsse eine neue Hymne her. Zum Beispiel sei doch die Kinderhymne von Bertolt Brecht ganz gut. Jedenfalls soll die Broschüre von 1989 wieder aufgelegt werden: „Argumente gegen das Deutschlandlied". Na, wat denn nu? - Da wird gefeiert, da freuen sich Menschen , die sich mit ihrer Nationalmann-schaft identifizieren. Und dann diese peinliche Stimmungsmache gegen die Nationalhymne, die angeblich „Nationalsozialismus und deutsche Leitkultur" transportiert. Sollte man sich etwa nicht mehr freuen, wenn sich mehr und mehr Menschen zu ihrem Land und seinen Symbolen bekennen? Vielmehr darf doch wohl die Frage gestellt werden, ob die Super-Demokraten etwa nicht mehr zu „Einigkeit und Recht und Freiheit" stehen? Das sind doch wohl ausgeprägte Grundwerte der Demokratie, die man so gerne predigt! Und Schreck, oh Schreck: Die Nationalspieler sind von der Welle des Patriotismus angetan! Sie empfinden den „positiven Patriotismus" als etwas Schönes. Vielleicht sollte jemand mal dahinter kommen, welche Rolle der Kommerz bei dieser Weltmeisterschaft spielt. Der Rubel rollt; und so können sich Politiker aller Parteien „leisten", die Begegnungen in den Stadien „live" mitzuerleben. Dabei treibt die Gier nach Geld manchmal schon ganz obskure Blüten. Zurück zur umstrittenen Nationalhymne: Die Vorwürfe gegen das wunderschöne Lied von Hoffmann von Fallersleben disqualifizieren nicht etwa die Hymne, sondern die Gewerkschaft mit ihrem abwegigen Versuch, die dritte Strophe in die nationalistische Ecke zu tun. Nach diesem Unsinn haben führende Mitglieder der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (etwa Chef Ulrich Thöne) sich wenigstens öffentlich entschuldigt. Sie wollten weder die WM vermiesen noch ein Verbot oder die Abschaffung der Hymne anstreben. Na also! Wenn junge Leute die Nationalhymne singen, darf man vermuten, daß sie es aus Lebensfreude und zur Unterstützung ihrer Mannschaft tun. Denn die WM kommt so schnell nicht wieder nach Deutschland! Und das Land muß noch lange von dieser positiven Stimmung zehren. Gönnen wir es ihnen. Eben: Lebensfreude, aber auch Einigkeit und Recht und Freiheit!

back
 

Plus online by Plus Weekly
Publisher: Feddersen Publications cc.
email : info@namibiaplus.com
Tel: +264 (0)61 233635
Fax: +264 (0)61 230478
P.O.Box 21506
Windhoek
Namibia