Der Gründervater hat immer Recht

Thursday 3rd of August 2006
Hans Feddersen

Was ist in Namibia los?

Der Präsident der Regie-rung (Nujoma) entläßt 2004 neben Hamutenya auch dessen Stellvertreter Dr Kaire Mbuende - und die-ses Mißtrauensvotum wirkt sich so sehr aus, daß Dele-gierte des Parteitages in weit unten auf die Partei-liste setzen. Folge: Mbuen-de schaffte es nicht einmal ins Parlament! Und nicht nur einige Herero waren sauer!

Nun aber beruft ihn der Präsident der Partei (inzwischen: Pohamba) zum UN-Botschafter Namibias. Darin sehen politische Beobachter ein Zeichen der Versöhnung. Immerhin ist Pohamba Vize-Chef der Partei, in der Nujoma das Sagen hat.

Und wie er dort das Sagen hat!

Der Gründervater der Nation, der „Held wo andere zögerten", verträgt anscheinend keine Kritik. Und dabei hat er in letzter Zeit recht unberechen-bare Dinge gesagt. In der Shebeen-Angelegenheit, in der Frage der Ex-Kämpfer, die maßlose Forderungen stellten - und zwischendurch greift er Phil ya Nangoloh als „Schwulen" an (wie schon früher den Ben Ulenga). Nujoma kann sich auf seine fanatischen Unterstützer verlassen. Ein Swapo-Organisator in der Khomas-Region, Michael Mwinga, mobilisierte am vergangenen Samstag die Gefolgschaft zu einer Demonstration gegen Nujoma-Kritiker, die in Telefon-Programmen der NBC Nujoma kritisiert hatten.

Und es kam, wie es kommen mußte: Die Informationsministerin Netumbo Nandi-Ndaitwah rügt den Sender. Weil in Namibia doch nicht sein kann, was nicht sein darf. Im Klartext: „Nujoma ist die Nation. Die Nation ist Nujoma" und dann ist der Schritt zur nationalen Sicherheit (oder nationalen Einheit und Versöhnung), die da plötzlich gefährdet sein sollen, nicht mehr groß.

Der Personenkult duldet andere Mei-nung. Da mag irgendwer den Ex-PLAN-Kämpfern einst in dunkler Ver-gangenheit üppige Belohnung verspro-chen haben (an die sich heute niemand mehr erin-nern möchte, erst recht nicht der allmächtige Parteichef selbst).

Nein, hier soll es wohl nicht mehr um freie Meinung der Rundfunk-Hörer und Telefonpartner gehen. Hier geht es um nationale Einigkeit und Sicherheit. Denn erste Aufgabe der staatlichen Medien ist es, die Nation aufzubauen. Da kann Kritik am Helden nur schaden. Da darf man am besten keine Fragen stellen, ob sich ein Bürger Sam Nujo-ma Haßtiraden erlauben darf. Da fragt niemand, wer Nujoma zur Räson ruft, wenn dieser wieder einmal verbale Giftpfeile gegen andere (Imperialisten oder Schwule) abschießt.

Es geht auch nicht um Grundrechte oder Demokratie.

Denn hier könnte der Sturz eines Idols vorbereitet werden, das die Massen der Wähler vereinigen soll. Demokra-tie hat in solchem Denken nichts verloren. Die Hierarchie (und Immu-nität des Helden) muß gewahrt blei-ben. Und diesem Prinzip müssen sich Medien unterordnen - sonst untermi-nieren sie die staatliche Sicherheit. So einfach ist es. So einfach, daß sich niemand Gedanken machen soll, denn das Nachdenken über derartige Bestimmungen ist allzu kompliziert: „Wer Nujoma beleidigt, beleidigt die Nation" stand am Samstag auf einem der Plakate.

Neulich war man in Swapo-Reihen noch bemüht, die Einheit herbei zu beten: „Es gibt keine Pohamba-Administration", „es gibt keine Nujo-ma-Partei", „es gibt nur die regieren-de Swapo". Und deren Chef ist - nun? - Nujoma! - Mag sein, daß die Hauptfigur vor dem Obelisken auf dem Heldenacker nur zufällig eine enorm große Ähnlichkeit mit Nujoma hat. Mag sein, daß der autobiografische Millionen-Film ihn zur Legende verklären soll... Pohamba beruft Dr Kaire Mbuende zum UN-Botschafter.

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