Wir brauchen Schulen, nicht Chinesen-(Schulung)

Friday 11th of August 2006
Hans Feddersen

Ganz klar: Eine Partei-Schulungs-Schule muß her. Und da Herr Putin nur Südafrika besucht und uns links liegen läßt, wenden wir uns halt an die Chine-sen.

Sie wissen ja schon: Die Chinesen gewinnen immer mehr an Einfluß. Vor allem durch minderwer-tige Billig-Kopien von Markenartikeln haben sie sich welt-weit ausgebreitet - und wirtschaftlich sind sie im Dauer-Aufschwung. Und nun kommt der Dank für die Unter-stützung während des Befreiungs-kampfes. Damals - man befand sich hierzulande an vorderster Front im Kalten Krieg; die Stellvertreter des verpönten (heute nicht mehr) real existierenden Sozialismus bzw. Kom-munismus standen nördlich der Grenze an unserer Haustür und wollten mit militärischen Mitteln ein paar Quadrat-zentimeter Boden gewinnen, damals also halfen die Chinesen „uns" - und nun sollen sie zum Dank auch Einfluß auf die politische Schulung von an-fänglich mindestens 50 Swapo-Mitgliedern bekommen.

Denn das ist in den letzten Tagen geschehen: Drei Ideologen der Kom-munistischen Partei Chinas eilten zu einem dreitägigen WORKSHOP aus Peking herbei, um ihren afrikanischen Comrades Grundlagen in geschicht-licher Forschung, Aufbau der Partei, Errungenschaften und Erfahrungen beizubringen. Hauptsächlich lernen die „blauäugigen, jungfräulichen" Swapo-Kader aber wohl, wie man Massen manipuliert (‘Tschuldigung: natürlich mobilisiert) und Mitglieder gewinnt. Professor Xie Chuntao (immerhin Vize-Generaldirektor der „Partei-Ge-schichtsschule"), Mou Hong (Abtei-lungsleiter des Büros für Afrikanistik im internationalen Sektor der KP Chinas) und Long Ziaixian (stellver-tretender Direktor für Partei-For-schung und -Organisation) bieten diese interessanten Dienste an.

Und die Informationsministerin, die vor einer Woche die staatliche New Era zur Räson rufen mußte (mußte? man weiß ja nicht, wie aufrichtig die Meinungsfreiheit dadurch gefördert wurde), ausgerechnet Netumbo Nandi-Ndaitwah empfängt die Chinesen. Sie erinnert an die militärische Hilfe während des „Struggle" und schließlich habe China vor kurzen auch der Swapo Computer ge-schenkt. Dieselbe Swapo also, die einen Redakteur der Regierungszeitung New Era „suspendierte", obwohl er sich für einen Leserbrief entschuldigt hatte, der Parteichef Nujoma angegriffen hatte...

Die Swapo, so die Ministerin, habe doch schon 2002 auf dem Parteitag die Gründung einer Kaderschule beschlossen. - Wenn niemand sonst bereit ist, den Swapo-Mitgliedern Pareteistrukturen beizubtringen, wären die Chinesen wohl der letzte Strohhalm, aber... wieviel Geld ist schon in die „Demokratisierung Namibias" geflossen. Außer Spesen nichts gewesen.

Was haben sich verschiedenste Stiftungen nicht schon bemüht, den Namibiern in den entlegensten Ecken Demokratie und Fähigkeiten in Hin-blick auf Parteistrukturen beizu-bringen!? Wie oft hatte man nicht stolz auf die große Anzahl der Teilnehmer hingewiesen, die mit Urkunden ausgezeichnet wurden, nachdem sie gratis am Kursus und am Essen teilnehmen durften. Alles verplem-perte Zeit, verplempertes Geld!

Man darf gespannt sein, welche Neuigkeiten uns Dr Melber über die Chinesen mitteilen kann. Tatsächlich scheinen Informationen, die westlich oder „imperialistisch" gefärbt sein könnten, die Swapo-Kader nicht zu interessieren.

Ob die Chinesen da größeren Erfolg haben? Oder ob die Genossen auch nur das freie Mittagsmahl genießen?

Umgekehrt wiegen sich diese Kader aber auch in dem unkritischen Glauben, daß man vor Neo-Kolonialismus sicher sein kann, solange „nur" Kubaner, Nordkoreaner, Russen und - eben Chinesen in der Umgebung sind.

Der Investor (und der Tourist?) mag da anders denken.

Keiner merkt, was hinter dem chine-sischen Imperialismuis steckt...

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