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Saturday 19th of August 2006 Mit der Landreform ist das so eine Sache! Wir haben oft genug die Vermutung geäußert, daß die Regie-rung - zumindest in den ersten Jahren der Unab-hängigkeit - kein riesen-großes Interesse daran hatte, kommerzielle Far-men für die Umsiedlung bis dato benachteiligter Familien zu kaufen. Oder sie schob den Riegel davor, weil es kein Geld gab. Oder sie lehnte Farmen ab, weil diese „nicht aussichtsreich bebaut werden konnten". Jetzt aber weht ein ganz neuer Wind durch die Amtsstuben jener Ideologen, die „endlich" die Landreform voran-treiben wollen. So wurde in dieser Woche ein Bericht veröffentlicht, der 2004 entstand und hauptsächlich von Deutschland, Großbritannien und den USA finanziert wurde. Die Studie stellt fest, daß in den nächsten 15 Jahren enorme N$ 3,7 Milliarden bereit gestellt werden müßten, damit 10,3 Millionen Hektar kommerzielles Farmland gekauft und 6 727 Familien bis 2020 umgesiedelt werden können. Zur Entwicklung des kommunalen Bodens werden zusätzlich N$ 53,3 Millionen benötigt. Geht man davon aus, daß 270 000 Hektar pro Jahr gekauft werden müssen, dann ergibt dies etwa 50 kommerzielle Farmen von je 5 000 Hektar pro Jahr. In den vergangenen 10 Jahren wurden insgesamt 197 Farmen gekauft (1,2 Millionen Hektar) - und 1 616 Familien konnten umgesiedelt werden. Natürlich ist anzunehmen, daß sich die Regierung nicht länger den Vorwurf gefallen lassen möchte, sie unternehme „zu wenig zu spät". Es gibt ja auch böse Zungen, die behaupten, die Regierung sei „nicht wirklich" an Bodenreform interessiert. Nein, es leuchten ganz andere Lampen auf: In Südafrika soll die Landreform plötzlich mit neuem Elan voran-getrieben werden. Und zweimal in wenigen Wochen erklärten namibische Kabinettsmitglieder schon, sie seien stark beeindruckt von dem Tempo, mit dem Landreform in Simbabwe vollzo-gen wurde. Es soll also etwas geschehen. In der Verfassung ist das Prinzip „Williger Ver-käufer - williger Käufer" verankert. Das hat mit dem Menschenrecht auf Privatbesitz zu tun. Man sollte aber nicht überhört haben, daß vor kurzem ein Zitat die Runde machte: „Warum soll ein so wichtiges ge-sellschaftliches Problem wegen dieser so einfachen Formel scheitern?" Klar ist, daß zahlreiche politische, soziale und sogar wirtschaftliche Probleme ent-stehen, wenn das eine Problem der Landreform nicht gelöst wird. Hier spielt die Ideologie (und politische Versprechungen) eine grö-ßere Rolle als wirtschaftliche Über-legungen oder realistische Probleme zukünftiger Existenz. Interessant ist, daß die Regierung immer wieder betont, die Landreform im Rahmen des bestehenden Gesetzes durchzuführen. Das heißt im Klartext: die Regierung ist bereit, einen „ange-messenen Preis" für Farmen zu zahlen. Das Problem liegt in der Interpre-tation, was denn nun eigentlich ein „angemessener" Preis ist. Tatsächlich sind die Preise für Farmland enorm gestiegen (die Schulden der kommer-ziellen Farmer auch). Tatsächlich gibt es aber auch Vor-würfe, daß verkauftes Farmland nicht immer wirtschaftlich genutzt wird, oder nicht immer den ehemals Benachteiligten zugute kam (etwa, wenn ein CEO oder gar ein Minister Farmland erwarb) und daß die Familien, die umgesiedelt werden sollen, gar kein oder viel zu wenig Interesse an der Landwirtschaft mitbringen. Das Thema Landreform hat mindestens zwei Seiten: die ideologische (wonach Landreform die Erfüllung eines poli-tischen Traums bedeutet) und die wirt-schaftliche, wonach sensitive Produk-tionsmöglichkeiten und -erfolge in Frage gestellt sein könnten. Den Goldenen Mittelweg zu finden - das wird die Aufgabe all jener sein, die von Landreform (in irgendeiner Weise) profitieren sollen (nicht nur jene, die davon profitieren wollen!) Die Kosten sind gewaltig!!! |
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